Laut einer bahnbrechenden Studie aus dem University College London (UCL) lassen sich die allerersten Gehirnveränderungen durch die Huntington-Krankheit bereits 24 Jahre vor dem Auftreten klinischer Symptome nachweisen.
Die Ergebnisse könnten klinische Studien revolutionieren, indem sie den optimalen Zeitpunkt für den Therapiebeginn bestimmen. Als erbliche neurodegenerative Erkrankung ohne derzeitige Heilung fordert Huntington rasche Fortschritte in der Früherkennung und -behandlung.
Forscher streben an, Betroffene zu therapieren, bevor die genetische Mutation zu Beeinträchtigungen führt. Bisher fehlten jedoch präzise Daten zum Zeitpunkt der ersten Schäden.
Dank eines zuverlässigen Gentests für die Anfälligkeit nutzten die Wissenschaftler die einzigartige Chance, prähaltige Stadien detailliert zu untersuchen.
Studienleiterin Professorin Sarah Tabrizi vom Huntington's Disease Centre am UCL Queen Square Institute of Neurology betont: „Unser Ziel ist es, das passende Medikament zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen – idealerweise, um Neurodegeneration zu verzögern oder zu stoppen, solange die Funktion intakt ist. So gewinnen Genträger wertvolle Jahre ohne Einschränkungen.“
„Während die Arzneimittelentwicklung enorme Fortschritte macht, liefern diese Ergebnisse entscheidende Hinweise zum besten Behandlungszeitpunkt und markieren einen Meilenstein im Verständnis der frühen Huntington-Pathologie.“
Die von Wellcome geförderte Studie, geleitet von UCL-Wissenschaftlern in Kooperation mit der University of Cambridge und der University of Iowa, analysierte eine große Kohorte junger Huntington-Mutationsträger erstmals so detailliert.
64 Mutationsträger und 67 Kontrollpersonen ohne Mutation wurden verglichen.
In The Lancet Neurology veröffentlicht, zeigten die Daten: Mutationsträger weisen 24 Jahre vor dem prognostizierten Ausbruch – basierend auf Alter und Gentest – subtile Veränderungen auf, trotz fehlender Symptome wie kognitiven, verhaltensbezogenen oder motorischen Störungen und minimaler Auffälligkeiten in Gehirnscans.
Entscheidend: Ein Anstieg des neuronalen Proteins Neurofilament Light (NfL) in der Rückenmarksflüssigkeit, ein Marker für Nervenzellschäden.
47 % der Mutationsträger hatten NfL-Werte über dem Kontrollbereich – 24 Jahre vor erwarteter Diagnose.
Die Experten sehen hier den ersten nachweisbaren Wendepunkt für Gehirnveränderungen.
Mit-Erstautor Dr. Paul Zeun erklärt: „Wir haben die frühesten Huntington-assoziierten Veränderungen identifiziert – messbar und ideal zur Überwachung zukünftiger Therapien bei asymptomatischen Genträgern.“