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Lockdown und Träume: Wie Quarantäne unseren Schlaf verändert

Laut einer YouGov-Umfrage unter 2.477 Amerikanern im April 2020 erinnert sich fast jeder dritte Erwachsene an mehr Träume als zuvor.

Diese Träume sind oft ungewöhnlich: Die Google-Suchen nach "seltsamen Träumen" und speziell "Warum habe ich in letzter Zeit seltsame Träume?" haben sich verdreifacht. Beeinflusst der Lockdown tatsächlich unseren Schlaf?

Der Schlafzyklus umfasst mehrere Phasen: Zuerst treten wir in die schläfrige Phase ein, gefolgt vom leichten und tiefen Schlaf – zusammen als Non-REM-Schlaf bekannt. Nach etwa einer Stunde wechselt das Gehirn in den REM-Schlaf (Rapid Eye Movement). Beide Phasen sind essenziell für Stimmung und Gedächtnis. Im Verlauf einer Nacht pendeln wir mehrmals zwischen Non-REM- und REM-Schlaf.

Unsere beste Erklärung: Non-REM-Schlaf erholt und regeneriert Neuronen, während REM-Schlaf Erinnerungen konsolidiert.

Warum träumen wir?

Die gängigste Theorie sieht Träume als Nebenprodukt der Gedächtnisverarbeitung. Daher assoziieren wir sie vor allem mit REM-Schlaf – obwohl Träume auch im Non-REM auftreten, erinnern wir uns seltener daran.

"Das Gehirn verarbeitet viel Unbewusstes, ohne zu träumen", erklärt Prof. Mark Blagrove, Psychologe und Direktor des Schlaflabors an der Swansea University. "Andere Theorien sehen Träume als Emotionsregulierung, Virtual-Reality-Training für reale Situationen oder einfach als Fortsetzung unserer Wachfantasie."

Wie wirkt sich die Corona-Pandemie auf unsere Träume aus?

"Menschen berichten von mehr Träumen", sagt Blagrove. "Grund: Längerer Schlaf ohne Wecker verlängert die letzte REM-Phase. Zudem widmen wir uns morgens mehr unseren Träumen." Nicht nur öfter, sondern intensiver – positiv oder negativ.

Studien der Swansea University zeigen: Emotionale Wachereignisse dominieren Träume. "Bei höherem Stress – um Gesundheit, Job oder Risiken – leidet der Schlaf stärker", betont Blagrove.

Stress und Alpträume

In einer YouGov-Umfrage nannte Stress die dominante Emotion in den ersten Lockdown-Wochen. Unter Stress verzögert sich das Einschlafen durch Grübeln.

"Stress fördert Alpträume, oft thematisch verschoben, aber emotional identisch", erklärt Blagrove. Homeworker mit familiärer Unterstützung berichten hingegen von positiven Träumen – wie Blagrove selbst.

Lockdown und Träume: Wie Quarantäne unseren Schlaf verändert

Dr. Deirdre Barrett von der Harvard Medical School rät in The New York Times: Stellen Sie sich vor dem Einschlafen positive Szenarien vor oder legen Sie passende Bilder bereit.

Blagrove zweifelt: "Kurzfristige Entspannung hilft wenig gegen ganztägigen Stress. Träume spiegeln aktuelle Emotionen wider."

Therapie gegen Alpträume: Wiederholte Neugestaltung des Traums – wirksam bei vergangenem, weniger bei aktuellem Stress.

"Aktueller Pandemiestress erfordert ein Ende der Krise, damit Träume normalisieren", schließt Blagrove.