Die Fallzahlen von COVID-19 in Großbritannien sinken, und die Lockdown-Maßnahmen werden schrittweise aufgehoben. Was kommt als Nächstes? Als erfahrener Virologe teilt Dr. Jeremy Rossman sein Fachwissen über die Zukunft des Coronavirus.
Gibt es eine zweite Welle von COVID-19?
Wir werden COVID-19 noch viele Monate erleben. Herdenimmunität, bei der genug Menschen infiziert und immunisiert sind, um die Ausbreitung zu stoppen, ist noch fern. Ein Impfstoff wird voraussichtlich erst in mindestens 12 Monaten verfügbar sein.
Das Risiko eines zweiten Höhepunkts bleibt bestehen, besonders bei Lockerung der Beschränkungen. Entscheidend ist, die Reproduktionszahl R niedrig zu halten – sie misst, wie viele Personen eine Infizierte ansteckt. Auf dem Höhepunkt lag R in Großbritannien bei 2 bis 3, mittlerweile ist sie unter 1 gefallen und muss dort verbleiben.
Zwei Säulen tragen dazu bei: Persönliche Hygienemaßnahmen wie Abstand halten, Händewaschen, Maskentragen im öffentlichen Nahverkehr und Vermeidung überfüllter Räume sowie öffentliche Gesundheitsmaßnahmen wie Testen, Kontaktverfolgung und Isolierung.
Mit diesen Schritten können wir Ausbrüche eindämmen und eine sanfte Wellenbewegung managen – bis zum Impfstoff.
Verschlimmert sich die Ausbreitung im Winter?
Viele Atemwegsviren wie die Grippe sind saisonal und häufen sich im Winter. Man vermutet ein ähnliches Muster bei SARS-CoV-2.
In der nördlichen Hemisphäre sanken die Fälle mit dem Sommer, was jedoch primär auf Lockdown-Erfolge zurückzuführen ist. Studien deuten auf einen geringen Wetter-Einfluss hin: Höhere Luftfeuchtigkeit im Sommer reduziert die Übertragung.
Dennoch ist der Ausbruch nicht streng saisonal: Auf der Südhalbkugel führte der Winterbeginn in Australien oder Neuseeland nicht zu Spitzen. Unsere individuellen und kollektiven Maßnahmen bestimmen den Verlauf der Pandemie maßgeblich.
Was wissen wir noch nicht über das Coronavirus?
Seit der Entdeckung im Dezember 2019 hat sich unser Wissen rasant erweitert, doch Lücken bleiben.
Erstens die Immunität: Für Herdenimmunität müssen 60-70 % der Bevölkerung immun sein – durch Infektion oder Impfung. Antikörper schützen vorerst, doch wir kennen weder die Abdeckungsrate noch die Dauer des Schutzes.

Zweitens die variierende Schwere: Von asymptomatisch bis lebensbedrohlich. ACE2-Rezeptor-Unterschiede spielen eine Rolle, erklären aber nicht alles.
Drittens Mutationen: Das Virus verändert sich kontinuierlich, einige fördern die Verbreitung, doch keine erhöhte Gefährlichkeit bisher.
Werden die Dinge je wieder "normal"?
Die "neue Normalität" wird bestehen bleiben. Physische Distanzierung und Einschränkungen bei Massenveranstaltungen sind bis zum Impfstoff (mind. 12 Monate) erforderlich.
Regierungen balancieren Lockerungen mit Gesundheitsschutz, wir tragen durch Einhaltung bei.
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Das Leben normalisiert sich langsam: Geschäfte öffnen, Sport kehrt zurück. Unsere Maßnahmen kontrollieren das Virus – eine Botschaft für die Rückkehr zur Normalität.