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Studie belegt: COVID-19-Verläufe schwerer im Winter durch Kälte und trockene Luft

Neue Forschungsergebnisse des King’s College London zeigen: Das Coronavirus SARS-CoV-2 kann in kühleren Monaten schwerwiegendere Verläufe nehmen als in der warmen Jahreszeit. Trockene Raumluft begünstigt zudem seine Ausbreitung. Die Analyse von Patientendaten offenbart einen Rückgang schwerer COVID-19-Fälle mit dem Übergang vom Winter in den Frühsommer.

Experten warnen: Sollte das Virus im kommenden Winter zurückkehren, zeichnen die Daten ein besorgniserregendes Bild für kälteres Wetter in Europa.

Die Wissenschaftler untersuchten Daten von 6.914 hospitalisierten COVID-19-Patienten aus Kroatien, Spanien, Italien, Finnland, Polen, Deutschland, Großbritannien und China. Sie korrelierten diese mit lokalen Temperaturen und geschätzter Raumluftfeuchtigkeit. Schwere Verläufe – Hospitalisierung, Intensivtherapie oder Beatmung – nahmen in den meisten europäischen Ländern ab, parallel zum Übergang vom Winter zum Frühsommer.

Die noch nicht peer-reviewed Studie deutet auch auf sinkende Todesraten hin. Laut Forschern vom King’s College London sank die Sterblichkeit um rund 15 Prozent pro 1 °C Temperaturanstieg. In China hingegen blieben Schweregrad und Letalität während der winterlichen ersten Welle stabil.

Zusätzlich analysierten die Experten Symptomdaten von über 37.000 britischen Nutzern der COVID Symptom Study App. Auch hier zeigten sich von März bis Mai mildere Symptome bei steigenden Temperaturen.

Die Veränderungen seien zu markant, um allein durch bessere Therapien, jüngere Patienten oder geringere Krankenhausbelastung erklärbar zu sein – ein Hinweis auf saisonale Einflüsse des Virus.

Obwohl sich SARS-CoV-2 in heißen, feuchten Regionen Ostasiens ausbreiten kann, waren dort Schweregrad und Sterblichkeit niedriger als in gemäßigten Klimazonen Europas.

Die Forscher vermuten: Winterliches Heizen trocknet die schützende Schleimschicht in Nase und Atemwegen aus, was Infektionen erleichtert.

Leitender Autor Dr. Gordan Lauc, Professor für Biochemie an der Universität Zagreb und Gastprofessor am King’s College London, erklärt: „Unsere Ergebnisse unterstreichen die Rolle der Saisonalität bei Übertragung und Schweregrad von COVID-19. Höhere Luftfeuchtigkeit und ausreichende Flüssigkeitszufuhr könnten wirksam gegen das Virus helfen. Dies malt ein düsteres Bild für den nächsten europäischen Winter – ähnlich wie aktuell auf der Südhalbkugel zu beobachten.“

Professor Tim Spector vom King’s College London ergänzt: „Langfristige Daten zu Symptomen und Verläufen sind essenziell. Nur so verstehen wir Einflussfaktoren und können gezielte Maßnahmen ergreifen.“

Dr. Simon Clarke, außerordentlicher Professor für zelluläre Mikrobiologie an der University of Reading, betont: „Der Zusammenhang zwischen Kälte und Symptom-Schwere ist klar, der Mechanismus jedoch offen. Niedrige Temperaturen könnten die Schleimreinigung in den Nasengängen verlangsamen. Eine Grippewelle plus COVID-19 könnte den NHS überfordern – daher dringend eine breite Grippeimpfkampagne.“