Seit Jahrhunderten debattieren Physiker, Schriftsteller und Philosophen, ob Zeitreisen möglich sind. Die Mehrheit hält sie für unmöglich.
Auf einem 800 Hektar großen Gelände nahe der Kleinstadt Comfort in Texas errichten Architekten, Ingenieure und Wissenschaftler ein ambitioniertes 'Zeitschiff'. Dieses soll Zehntausende Menschen in eine ferne Zukunft transportieren.
Kein Fluxkompensator oder Reisen nahe Lichtgeschwindigkeit: Stattdessen Kryonik – die Konservierung menschlicher Körper bei extrem niedrigen Temperaturen für eine spätere Wiederbelebung.
"Wie ein Raumschiff den Weltraum durchquert, ermöglicht Timeship Reisen in die Zukunft", erklärt Stephen Valentine, Direktor und Hauptarchitekt des Projekts.
Valentine finanzierte mit Millionen von anonymen Spendern ein Mekka für Kryonik und Lebensverlängerung. Neben einer festungsartigen Lagerhalle für eingefrorene Körper sollen Organe, Stammzellen, Embryonen und DNA bedrohter Arten aufbewahrt werden. Der Stasis Research Park wird das weltgrößte Zentrum für Lebensverlängerungsforschung beherbergen.

Die Anlage ist autark mit Wind- und Solarenergie, fernab von Erdbeben, Tornados oder Militärbasen. Valentine studierte Pyramiden, Gräber und Festungen, um Langlebigkeit zu gewährleisten – sogar Schutz vor einer Zwei-Megatonnen-Atomexplosion.
Das Design: Ein raumschiffartiges Schloss mit kreisförmigen Mauern um eine zentrale Kammer für Tausende Kapseln.
Kühlung durch Vitrifikation: Körperflüssigkeiten werden durch schützende Lösungen ersetzt, um Eiskristalle zu vermeiden. Flüssigstickstoff hält -130 °C, autark sechs Monate.
Prototypen-Tests sind für nächstes Jahr geplant.
Wie funktioniert das Einfrieren?
1967 wurde James Bedford als Erster kryokonserviert – er ruht noch heute.
Viele Anbieter scheiterten an grober Technik. Heute ist Kryokonservierung von Zellen Routine in Medizin und Forschung.
Vitrifikation verhindert Eisbildung, die Zellen schädigt. 2002/2003 konservierte Gregory Fahys Team eine Kaninchenniere erfolgreich.
2015 demonstrierte 21st Century Medicine makellose Hirnkonservierung bei Tieren. Alcor bewies Gedächtniserhalt bei Würmern.
Diese Erfolge nähren Hoffnung: Fortschrittliche Techniken könnten Organe, Gehirne und Persönlichkeiten erhalten.



Kryonik setzt auf zukünftige Tech. Prof. Brian Grout (Society for Low-Temperature Biology): "Ganzkörperkonservierung ist plausibel, doch Tote bleiben tot – Wiederbelebung erfordert Todumkehrung."
Eingefroren in der Zeit
Grout sieht Potenzial für Lebenskryokühlung bei Raumfahrt, nicht für Tote.
Valentine diskutiert medizinisch-juristische Fragen nicht.
Gen-Editing und Nanotech könnten Tod neu definieren. Bewusstseins-Upload gar biologische Grenzen aufheben.
Kosten ab 30.000 USD – für Terminalkranke die einzige Hoffnung. Wie 14-jährige JS 2016: Ihr Wunsch wurde gerichtlich genehmigt.
"Ich will kryokonserviert werden – Chance auf Heilung in Jahrhunderten."
Was, wenn Sie nicht eingefroren sind?
Zukunft ungewiss: Vermögen, Familie weg. Überbevölkerung?
Valentine: "Sorgen unnötig – Welt könnte unvorstellbar sein."

Bei Erfolg wird Kryonik Normalität. Dieser Artikel stammt aus BBC Focus Magazin, Ausgabe 303.
Fünf Wege zum ewigen Leben
1. Bewusstsein hochladen

Simulation des Gehirns auf Computern? Neurowissenschaftler ringen noch mit einfachen Gehirnen.
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2. Ruhezustand (Hypothermie)

Körpertemperatur auf 10 °C senken verlangsamt Prozesse – wie induzierter Winterschlaf für Raumfahrt.
3. Neuen Körper bauen
4. Junges Blut

Mäuseexperimente: Junges Blut verbessert Gedächtnis, Ausdauer bei Alten. Forschung an Menschen läuft.
5. Zeitreise (Relativität)

Bei Lichtgeschwindigkeit vergeht Zeit langsamer – Rückkehr in ferne Zukunft möglich, keine Vergangenheit.