Einer der großen Gesundheitstrends der letzten Jahre, vor allem in wohlhabenden Ländern, ist der Wechsel zu einer pflanzenbasierten Ernährung. Viele wählen diesen Weg aus ethischen Gründen oder wegen des hohen Klimawandefootprints der Massentierhaltung. Doch gibt es Nachteile?
Als Ernährungsexperte habe ich kürzlich einen Leserbrief an BBC Science Focus erhalten: Eine Leserin möchte ihre Familie vegan umstellen, hat aber Bedenken – insbesondere wegen familiärer Osteoporose (Knochenschwund). Wie berechtigt ist diese Sorge?
Vegetarier verzichten auf Fleisch und Fisch. Manche essen Eier und Milchprodukte (gute Kalziumquellen), strenge Veganer alle tierischen Produkte.

Auch vegan lassen sich alle notwendigen Vitamine, Mineralstoffe und Mikronährstoffe – inklusive Kalzium für starke Knochen – pflanzlich decken. Dennoch empfehlen Experten oft Nahrungsergänzungsmittel. Wichtig: Der reine Fleischverzicht macht nicht automatisch gesünder, besonders wenn verarbeitete Produkte einspringen.
Eine Studie in BMC Medicine (2013) verdeutlicht das: Forscher beobachteten 12 Jahre lang fast 450.000 Personen in 10 Ländern. Überraschend: Moderater Verzehr von rotem Fleisch beeinflusste die Sterblichkeit nicht negativ – er wirkte sogar schützend.
Die niedrigsten Sterberaten zeigten sich bei bis zu 80 g Fleisch täglich. Fazit der Experten: "Ein geringer – aber nicht null – Fleischkonsum könnte gesundheitsfördernd sein." Fleisch liefert essenzielle Nährstoffe wie Protein, Eisen, Zink, B-Vitamine, Vitamin A und unverzichtbare Fettsäuren.
Ein Grund für kürzere Lebenserwartung bei Vegetariern und Veganern in der Studie: Mangel an Mikronährstoffen wie Vitamin B12. Dieser kann Anämie, Müdigkeit, Gedächtnisstörungen und Depressionen verursachen.
Bevor Fleischesser jubeln: Höchste Sterberaten gab es bei starkem Verzehr verarbeiteten Fleisches wie Speck, Würstchen oder Salami.
In einer Oxford-Studie prüften Forscher B12-Spiegel bei 689 Männern (226 Fleischesser, 231 Vegetarier, 232 Veganer): 52 % der Veganer und 7 % der Vegetarier hatten Mangel – nur 1 % der Fleischesser.
Bei vegetarischer oder veganer Ernährung: Achten Sie auf vollständige Mikronährstoffversorgung. Hilfreiche Infos auf NHS-, Vegetarian Society- und Vegan Society-Websites.
- Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 353 von BBC Science Focus -