Meditation ist seit Langem in den Klöstern von Mönchen und Nonnen sowie in den Labors der Wissenschaftler zu Hause. Immer mehr Menschen greifen zu Meditations-Apps, um mit psychischen Belastungen wie Depressionen und Angststörungen umzugehen. Obwohl genaue Zahlen fehlen, verzeichnete eine einzige App im vergangenen Jahr fast 40 Millionen Downloads.
In meiner neuen Studie, die über 40 Jahre Forschung zu Meditation und achtsamkeitsbasierten Therapien analysiert, zeigt sich jedoch: Bei etwa 8 Prozent der Praktizierenden können negative Effekte auftreten – von gesteigerten Angstzuständen, Depressionen und Stress bis hin zu ungewöhnlichen Erlebnissen wie Halluzinationen.
Trotz Tausender Studien zu den Vorteilen wirkt dies überraschend. Doch Wissenschaftler sind sich dieser Risiken seit Langem bewusst.
Bereits 1977 empfahl die American Psychiatric Association, sowohl Nutzen als auch Gefahren der Meditation zu untersuchen. Auch alte Meditationslehren, wie die buddhistische Dharmatrāta-Schrift, warnen vor Instabilität, Unruhe oder Verwirrung des Geistes bei unsachgemäßer Praxis.
Was bedeutet das für Millionen, die Meditation gegen Alltagsstress einsetzen? Und für Schulen, die achtsamkeitsbasierte Programme bei Kindern testen? Neuere Studien deuten an: Negative Effekte sind möglich.
Veränderte Bewusstseinszustände
Warum tritt das auf? Meditation zielt auf veränderte Bewusstseinszustände ab – ein anderes Selbstverständnis oder die Herausforderung des 'normalen' Ichs. Diese Erfahrungen sind nicht immer positiv.
Manche Techniken, üblich in religiösen Traditionen, fordern vor, den eigenen Tod zu visualisieren oder sich auf eine verweste Leiche zu konzentrieren – um Angst und Ekel zu wecken und weltliche Bindungen zu lösen.
Heutige Nutzer suchen jedoch Selbstoptimierung oder Heilung: mehr Resilienz, weniger Angst oder Depression. Welche Faktoren begünstigen negative Reaktionen?
Die Studie deutet an: Intensive Retreats erhöhen das Risiko. Vorerkrankungen spielen keine klare Rolle – es kann jeden treffen.

Für Wohlbefindenssuchende mag das beunruhigend klingen. Doch unser Wissen über den Geist ist begrenzt. Die Erforschung von Meditationseffekten – positiv und negativ – ist erst am Anfang.
Unsere Studie soll Forscher zu nuancierteren Analysen anregen: Wann, für wen und unter welchen Bedingungen hilft oder schadet Meditation? Apps und Anbieter sollten ethische Standards heben und warnen: Meditation ist kein Allheilmittel, wirkt nicht bei allen und birgt Risiken.
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