Menschen mit einer posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS) entwickeln laut einer umfassenden neuen Studie bis zu doppelt so häufig später im Leben eine Demenz.
Die Forscher verglichen Personen aus der Allgemeinbevölkerung mit PTBS-Diagnose mit Veteranen, die PTBS erlebt hatten. Die Analyse ergab ein höheres Demenzrisiko bei Nicht-Veteranen.
Das Team vermutet, dass dies auf den besseren Behandlungszugang bei Veteranen zurückzuführen ist. Eine PTBS-Therapie könnte das spätere Demenzrisiko senken.
Die Wissenschaftler werteten Daten aus 13 Studien auf vier Kontinenten aus – mit insgesamt 1.693.678 Teilnehmern. Diese untersuchten den Zusammenhang zwischen PTBS-Diagnose und Demenz bis zu 17 Jahre später.
Aus acht Studien ergab sich ein 61 Prozent höheres Demenzrisiko für PTBS-Betroffene.
Zwei weitere Studien mit alternativen Methoden bestätigten eine sogar doppelt so hohe Wahrscheinlichkeit.
Leitende Autorin Dr. Vasiliki Orgeta von der Psychiatrieabteilung des University College London erklärt: „Unsere Studie liefert wichtige neue Beweise dafür, wie traumatische Erfahrungen die Gehirngesundheit beeinträchtigen und langfristig die Anfälligkeit für kognitiven Verfall und Demenz erhöhen.“
„Viele Betroffene erhalten keine Behandlung – oft durch Kapazitätsmangel oder Stigmatisierung. Traumen und mangelnde Therapie wirken sich nachhaltig auf das Demenzrisiko aus.“
Forscher warnen: Das tatsächliche Risiko könnte noch höher sein, da PTBS weitere Demenzfaktoren wie Depressionen, Isolation oder Alkoholmissbrauch begünstigt – diese wurden in den Studien berücksichtigt.
Die Studie im British Journal of Psychiatry bleibt offen, warum PTBS das Risiko steigert. Mögliche Ursachen: Hypervigilanz und Trauma-Wiedererleben fördern Stress im Gehirn; sozialer Rückzug mindert kognitive Reserven.
Erstautorin Mia Maria Günak betont: „Demenz ist oft vermeidbar, indem Lebensrisiken adressiert werden. PTBS-Betroffene brauchen mehr psychische Unterstützung.“
Dr. Orgeta ergänzt: „PTBS nach COVID-19-Hospitalisierung ist häufig unterdiagnostiziert. Unsere Ergebnisse fordern präventive Therapien für Risikogruppen.“
Die Studie wurde vom NIHR University College London Hospitals Biomedical Research Centre und der Alzheimer’s Society gefördert.