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Studie: Pest breitete sich 1665 in London viermal schneller aus als beim Schwarzen Tod

Laut einer neuen Studie in den Proceedings of the National Academy of Sciences breitete sich die Pest im 17. Jahrhundert in London etwa viermal schneller aus als im 14. Jahrhundert.

Forscher dokumentierten eine Beschleunigung der Übertragung zwischen dem Schwarzen Tod von 1348 – bei dem schätzungsweise mehr als ein Drittel der europäischen Bevölkerung starb – und späteren Epidemien, die in der Großen Pest von 1665 kulminierten.

Zwischen 1563 und 1666 gab es in London 18 weitere, deutlich kleinere Pestausbrüche.

Das Team analysierte Tausende historischer Dokumente aus 300 Jahren Pestepidemien und stellte fest, dass sich die Zahl der Infizierten im 14. Jahrhundert alle 43 Tage verdoppelte.

Bis zum 17. Jahrhundert hatte sich dies auf eine Verdopplung alle 11 Tage beschleunigt.

Leitender Autor David Earn, Professor für Mathematik und Statistik an der McMaster University in Kanada sowie Forscher am Michael G. DeGroote Institute for Infectious Disease Research, betonte: „Es ist ein erstaunlicher Unterschied, wie schnell Pestepidemien gewachsen sind.“

Das interdisziplinäre Team aus Statistikern, Biologen und Evolutionsgenetikern schätzte Sterblichkeitsraten anhand historischer Quellen: persönliche Testamente, Kirchenbücher und die Londoner Bills of Mortality.

„Damals verfassten Menschen Testamente oft aus Angst vor dem Tod. Diese Daten dienen als zuverlässiger Indikator für Ausbreitung von Panik und Sterbefällen“, erklärt Prof. Earn. „Im 17. Jahrhundert korrelierten Testamente und Sterberegister perfekt – die Wachstumsraten stimmten überein.“

„Niemand in London damals ahnte, dass diese Aufzeichnungen Jahrhunderte später Krankheitsausbreitung erklären würden.“

Studie: Pest breitete sich 1665 in London viermal schneller aus als beim Schwarzen Tod

Co-Autor Hendrik Poinar, Professor für Anthropologie an der McMaster University, ergänzt: „Genetische Analysen deuten auf stabile Bakterienstämme hin – ein faszinierendes Ergebnis.“

Die langsamere Ausbreitung 1348 spricht gegen hauptsächliche pneumonische Übertragung (Mensch-zu-Mensch). Stattdessen dominierten Flohbisse (Beulenpest). Im 17. Jahrhundert hingegen übernahm die pneumonische Form.

Höhere Bevölkerungsdichte, schlechtere Lebensbedingungen und kältere Temperaturen könnten die Beschleunigung erklären. Historische Muster bieten wertvolle Lehren für COVID-19 und aktuelle Pandemien.