DeuAq.com >> Leben >  >> Wissenschaft

Persistente Lungenveränderungen bei COVID-19-Toten: Schlüssel zur Erklärung von Long COVID

Bei verstorbenen COVID-19-Patienten zeigen die Lungen nachweislich langanhaltende strukturelle Veränderungen, die Wochen oder Monate überdauern und Long-COVID-Symptome wie anhaltende Müdigkeit und Atemnot erklären könnten, berichten Experten.

Die Ergebnisse der Studie, veröffentlicht in der renommierten Fachzeitschrift Lancet eBioMedicine, basieren auf der detaillierten Analyse von Organproben von 41 Patienten, die zwischen Februar und April 2020 im Universitätskrankenhaus Triest in Italien verstarben.

Die Wissenschaftler untersuchten Proben aus Lunge, Herz, Leber und Nieren, um die Auswirkungen des Virus auf verschiedene Organe zu bewerten. Besonders auffällig war eine weitreichende Lungenschädigung mit massiver Störung der normalen Lungenarchitektur und des Atmungsgewebes.

Fast 90 Prozent der Patienten wiesen zwei für COVID-19 charakteristische Merkmale auf: starke Thrombosen in Lungenarterien und -venen sowie ungewöhnlich große, multinukleäre Lungenzellen – ein Phänomen, das bei anderen Lungenentzündungen selten vorkommt.

Diese Riesen-Zellen entstehen vermutlich durch die Verschmelzung normaler Zellen, ausgelöst durch das Spike-Protein des Coronavirus, das in menschliche Zellen eindringt.

Zudem entdeckten die Forscher eine 'langfristige Persistenz' viraler DNA in Atemwegszellen und Endothelzellen der Blutgefäße. Diese infizierten Zellen könnten die beobachteten strukturellen Veränderungen in der Lunge verursachen und so Long COVID erklären.

  • Abonnieren zum Science Focus Podcast auf diesen Diensten: Acast, iTunes, Stitcher, RSS, Overcast

In anderen Organen wie Herz, Leber oder Nieren fanden sich hingegen keine Hinweise auf Viruspersistenz oder anhaltende Entzündungen.

'Diese Ergebnisse sind hochinteressant', betont Professor Mauro Giacca vom British Heart Foundation Centre am King’s College London. 'COVID-19 ist nicht nur eine Folge absterbender infizierter Zellen, sondern resultiert aus der langfristigen Persistenz abnormaler Zellen in der Lunge.'

Das Forschungsteam untersucht nun die Auswirkungen dieser Zellen auf Thrombosen und Entzündungen und sucht nach Therapien, die das Spike-Protein blockieren und die Zellverschmelzung verhindern könnten.