Eine Studie der University of Exeter offenbart: Die Fähigkeit zum Unterrichten entwickelte sich bei unseren Vorfahren genau dann, als sie zunehmend auf komplexere Werkzeuge angewiesen waren.
Die kumulative kulturelle Evolution – das soziale Lernen durch technologische Innovationen über Generationen hinweg – gilt als Schlüssel zum Erfolg der Menschheit. Doch ihre Ursprünge waren lange rätselhaft.
Ein Forscherteam unter Leitung der University of Exeter hat nun gezeigt, dass dieser spezialisierte Lernprozess parallel zur Abhängigkeit von komplizierten Werkzeugen entstand. Die natürliche Selektion begünstigte dabei jene Individuen, die lehren konnten.
„Menschen haben eine unübertroffene Fähigkeit, Wissen über Generationen weiterzugeben“, erklärt Dr. Alex Thornton vom Zentrum für Ökologie und Naturschutz am Penryn Campus in Exeter, Cornwall.
„Traditionelle Theorien nahmen an, dass kumulative kulturelle Evolution spezialisierte Prozesse wie das Unterrichten erfordert, um Informationen präzise zu übermitteln. Das erklärt jedoch nicht, warum diese Prozesse entstanden. Unsere Studie testete die Hypothese einer ‚koevolutionären‘ Entwicklung mit zunehmender Werkzeugkomplexität.“
Die Wissenschaftler befragten über 600 Probanden in „Ketten“ von 10 „Generationen“. Die Aufgabe: Ein einfaches Werkzeug (Boot aus wasserfestem Papier) oder ein komplexeres (Korb aus Pfeifenreinigern) bauen, um Murmeln zu transportieren. Erfolg maß die transportierte Murmelanzahl. Jeder sah das Werkzeug des Vorgängers, beobachtete die Herstellung oder sprach darüber.

„Einfache Werkzeuge verbesserten sich in allen Bedingungen ähnlich“, so Dr. Amanda Lucas von der University of Exeter. „Bei komplexen Tools führte Unterrichten jedoch zu signifikant besseren Fortschritten – ideal zur Weitergabe innovativer Designs.“

Dr. Thornton ergänzt: „Die Effekte waren graduell, summieren sich aber über Generationen. Dies deutet auf eine evolutionäre Rückkopplungsschleife hin: Bescheidene Verbesserungen an einfachen Tools ohne Lehren, dann Vorteil des Unterrichts bei Komplexität. Bessere Lehrfähigkeiten ermöglichten wiederum fortschrittlichere Werkzeuge.“
Die Ergebnisse erscheinen in Proceedings of the Royal Society B.