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UCL-Studie: 60 % der Teenager treiben Sport zum Abnehmen – Risiken für psychische Gesundheit

Anti-Adipositas-Kampagnen bergen unbeabsichtigte Risiken für die mentale Gesundheit von Jugendlichen. Eine repräsentative UCL-Studie zeigt: Sechs von zehn Teenagern nutzen Sport hauptsächlich, um Gewicht zu verlieren.

Forscher des University College London (UCL) analysierten Daten von 22.503 Jugendlichen im Vereinigten Königreich über drei Jahrzehnte (1986, 2005, 2015). Ergebnis: Immer mehr Jungen und Mädchen überschätzen ihr Gewicht und setzen auf Diäten oder Training zur Pfundreduktion. Mädchen mit Abnehmversuchen zeigen häufiger depressive Symptome als früher.

Landesweite Fettleibigkeitsbekämpfung, gesellschaftlicher Druck, Fitnessboom und Social Media könnten zu diesen Trends beitragen, warnen die Experten.

Im Jahr 2015 versuchten 42 % der 14-Jährigen, Gewicht zu verlieren (2005: 30 %). 8,5 % strebten Zunahme an (2005: 5,2 %). 44 % diätierten, 60 % trainierten zum Abnehmen – im Vergleich zu 38 % bzw. 7 % im Jahr 1986.

Diese Entwicklungen sind alarmierend: Diäten wirken bei Jugendlichen selten langfristig und erhöhen das Risiko für Depressionen und Essstörungen, wie weitere Studien belegen.

„Jugendliche treiben heute Sport seltener aus Freude, zur Sozialisation oder für Wohlbefinden – stattdessen steht Abnehmen im Vordergrund“, erklärt Senior-Autorin Dr. Praveetha Patalay von der UCL MRC Unit for Lifelong Health and Ageing. „Etiketten mit „Übungsäquivalenten“ auf Lebensmitteln könnten das verschärfen.“

Mädchen diätieren häufiger als Jungen, doch der Anstieg ist bei Jungen stärker. Jungen wollen zunehmend zunehmen – bedingt durch medialisierte „schlanke, muskulöse“ Ideale. Beide Geschlechter überschätzen ihr Gewicht, was nicht allein auf steigende Adipositasraten zurückzuführen ist.

Diese Verhaltensmuster korrelieren mit Depressionen, besonders bei Mädchen – ein Trend über die Jahrzehnte.

„Medienbilder von Schlankheit, Fitnessindustrie und Social Media erklären das teilweise. Öffentliche Kampagnen zu Kalorien und Bewegung könnten ungewollt schaden“, betont Erstautorin Dr. Francesca Solmi von der UCL Psychiatrieabteilung.

„Adipositas-Kampagnen müssen psychische Risiken abwägen, Stigmatisierung vermeiden und Gesundheit statt „gesundes Gewicht“ betonen – für bessere körperliche und mentale Effekte.“

Kampagnen sollten Schuldgefühle meiden und Vorteile wie Kraftaufbau, neue Skills und Gemeinschaft hervorheben, raten die UCL-Experten.

Die Studie mit Beteiligung der Universities Edinburgh und Liverpool, unterstützt von britischen Institutionen, erscheint in JAMA Pediatrics.