Als Arzt mit langjähriger Erfahrung in der Medizin habe ich mich intensiv mit dem Thema Alkoholkonsum auseinandergesetzt. Der 'Trockene Januar' – eine Kampagne, die von Organisationen wie Alcohol Concern gefördert wird – gewinnt zunehmend an Popularität. Laut ihrer Website hilft sie, die Kontrolle über den Alkoholkonsum zurückzugewinnen und ein Gespräch über die Risiken und Reduktionsmöglichkeiten anzustoßen.
Mögliche Vorteile: besserer Schlaf, gesündere Haut, Gewichtsverlust, ein Erfolgserlebnis und finanzielle Einsparungen. Alcohol Concern schätzt, dass ein durchschnittlicher Mensch im Laufe des Lebens rund 50.000 £ für Alkohol ausgibt.
Auf Einladung der BBC Focus startete ich einen 'Trockenen November' – eine Woche kürzer als Januar mit seinen 31 Tagen. Obwohl ich nie ein starker Trinker war (selbst in der Medizinerausbildung maximal 2–3 Pints), trank ich abends regelmäßig Rotwein. Vorab protokollierte ich meinen Konsum: ca. 20 Einheiten pro Woche – über den offiziellen Empfehlungen des britischen Gesundheitsministeriums (14 Einheiten/Woche für beide Geschlechter seit 2016).
Ich ließ Bluttests (Nüchtern-Glukose, Leberwerte, Cholesterin), Waage und Blutdruck messen, räumte den Wein weg – und los ging's.
Nüchterner Start
Die ersten Wochen fielen schwer, da ich Wein zum Essen vermisste. Indem ich Freunden davon erzählte, schuf ich sozialen Druck zum Durchhalten. Positiv: Ich war geselliger abends, ohne postalkoholischen Einbruch, und aß weniger Chips in der Bar. Schlaf und Haut zeigten jedoch keine großen Veränderungen.
Doch lohnt dauerhafter Verzicht bei moderatem Konsum? Das Gesundheitsministerium warnt: 14–20 Einheiten/Woche erhöhen das Sterberisiko um ca. 1 %. Prof. Sir David Spiegelhalter (Univ. Cambridge) relativiert: "Eine Stunde TV täglich oder gelegentliches Specksandwich ist riskanter." Es komme auf den persönlichen Genuss an.
Prof. Tim Stockwell (Univ. Victoria) rät strikt: Alkohol bietet keine biochemischen Vorteile, sondern erhöht Risiken für über 60 Erkrankungen – z. B. Prostatakrebs (+ bei 3–4 Einheiten/Tag) oder Brustkrebs (weltweit 10 % weniger Todesfälle ohne Alkohol). Studien zu 'schützendem' Effekt seien verzerrt durch kranke Abstinenzler. Er empfiehlt alkoholfreie Tage/Monate.
Dr. Alexander Jones (UCL-Kardiologe) sieht Krebsrisiken, aber Herzvorteile bei niedrigen Dosen (<2 Einheiten/Tag): Weniger Koronare und Schlaganfälle.
Idealer Test: Randomisierte Langzeitstudie – unmöglich. Doch die 2015-Studie in Annals of Internal Medicine (Ben-Gurion-Univ., Israel): 224 Typ-2-Diabetiker bekamen 2 Jahre lang abends 150 ml Rot-/Weißwein oder Wasser (ca. 14 Einheiten/Woche). Leere Flaschen kontrolliert.
Ins Getränk
Rotwein schnitt am besten: Bessere Lipidprofile (↑ HDL-Cholesterin, Apolipoprotein A1, ↓ Total/HDL-Verhältnis). Prof. Iris Shai: Rotwein hat 7x mehr Phenole, 4–13x mehr Resveratrol als Weißwein. Keine negativen Effekte auf Blutdruck, Leber oder Gewicht; Schlafqualität verbessert. Maximaler Nutzen bei langsamer Alkoholabbaureduzierung – Alkohol selbst wirkt mit.
Kleine Studie, aber überzeugend: Mäßiger Rotwein kann nützen, besonders bei Diabetikern.
Meine Ergebnisse nach Dry November: -2,1 kg (Alkohol spart ~630 kcal/Flasche, ~5.000 kcal/Monat = 0,7 kg Fett; plus weniger Snacks). Blutdruck ↓, Glukose/Cholesterin leicht besser, Leber unverändert. Zuhause ~40 £ gespart.
Fazit: Ich reduziere auf 14 Einheiten/Woche. Viel Erfolg beim Trockenen Januar!
Wenn Sie oder ein Angehöriger ein Alkoholproblem vermuten, kontaktieren Sie Ihren Arzt oder Drinkline (0300 123 1110) für kostenlose Beratung.
- Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 317 des BBC Science Focus Magazine.