Wissenschaftler haben eine neue Variante des Coronavirus identifiziert, die mit der raschen Ausbreitung von COVID-19 in Südengland in Verbindung steht. Als Experten für Infektionskrankheiten betonen wir: Solche Mutationen sind normal, doch diese erfordert genaue Beobachtung.
In einer Rede vor dem Unterhaus am 14. Dezember erklärte Gesundheitsminister Matt Hancock, dass nichts auf eine höhere Schwere der Erkrankung durch diesen Stamm hindeute. Es sei "höchst unwahrscheinlich", dass die Mutation die Wirksamkeit der Coronavirus-Impfstoffe beeinträchtigt.
Am 19. Dezember warnte der leitende wissenschaftliche Berater der Regierung, Sir Patrick Vallance, dass die neue Variante zum dominierenden Stamm werden könnte. Frühe Analysen zeigen einen schnellen Anstieg der Fälle, wobei der neue Stamm bis zu 70 % ansteckender sein könnte als der bisherige.
Seit Pandemiebeginn wurden zahlreiche Coronavirus-Stämme entdeckt, ohne nachweisbare Auswirkungen auf Virusverhalten oder Krankheitsverlauf.
Obwohl Mutationen erwartet werden, wirft dieser potenziell ansteckendere Stamm berechtigte Fragen auf.
Was ist der neue COVID-19-Stamm?
Der Stamm wurde zunächst als "VUI – 202012/01" bezeichnet – die erste im Dezember untersuchte Mutation – und trägt nun die Bezeichnung B.1.1.7.
Laut Public Health England wurden bis 13. Dezember 1.108 Fälle identifiziert, vor allem in Süd- und Ostengland.
Über den Stamm ist noch viel unbekannt; voreilige Prognosen sind unangebracht. Eine schnellere Ausbreitung erschwert jedoch die Eindämmung. Andere neue Stämme hatten bisher keine spürbaren Folgen.
Müssen wir uns um den neuen Coronavirus-Stamm im Vereinigten Königreich sorgen?
Neue Varianten sind nicht immer negativ – sie können sogar milder sein. Bei gleicher Schwere und höherer Ansteckungsfähigkeit steigt jedoch die Fallzahl rapide.
B.1.1.7 ist der erste Stamm, den Public Health England so intensiv untersucht, bedingt durch seine schnelle Verbreitung im Süden Englands.
Wie schnell verbreitet sich der neue Stamm?
Premierminister Boris Johnson berichtete bei einem Downing-Street-Briefing von frühen Analysen: Der Stamm erhöht die Reproduktionsrate um 0,4 oder mehr und ist bis zu 70 % ansteckender.
Sir Patrick Vallance bestätigte eine "signifikante Zunahme der Übertragbarkeit". Die Variante, vermutlich Mitte September in London oder Kent entstanden, machte bis Dezember über 60 % der Infektionen in der Hauptstadt aus: "Sie bewegt sich schnell und wird dominant."

Stoppt das Stufensystem die Verbreitung dieser neuen Variante?
Chief Medical Officer Professor Chris Whitty erklärte, das Tier-System halte Fälle in anderen Regionen, doch bei hoher Prävalenz der Variante reiche es nicht aus: "Die Steigerungsrate wird nicht kontrolliert und steigt schnell." Er warnte vor Reisen, die die Variante landesweit verteilen könnten, und betonte soziale Distanzierung als Schlüsselmaßnahme.
Wirken Impfstoffe gegen die neue Coronavirus-Variante?
Hancock: Klinische Experten halten es für höchst unwahrscheinlich, dass die Mutation Impfstoffe umgeht. Impfstoffe trainieren das Immunsystem mit Virusanteilen; eine einzelne Änderung ändert das selten.
Public Health England: Die Variante hat eine Spike-Protein-Mutation, die Ansteckung begünstigt. Prof. Whitty: Keine Hinweise auf reduzierte Impfstoffwirksamkeit; Tests erkennen sie.
"Es gibt wenig Selektionsdruck durch frühere Immunität", sagte er. "Es wäre überraschend, wenn der Stamm Impfstoffe umgehen könnte." Labortests mit Kulturen dauern bis zu zwei Wochen und prüfen Antikörperreaktionen.
Unterschiedliche Symptome bei Coronavirus-Stämmen?
Whitty: Keine Anzeichen für abweichende Symptome, Tests oder Verläufe. Fokus liegt auf der Übertragbarkeit: "Ursache oder Korrelation – unklar." Die meisten Mutationen sind biologisch irrelevant; wenige bieten Vorteile.
Welcher Coronavirus-Stamm ist am tödlichsten?
Seit 2019 über 4.000 Spike-Protein-Mutationen. Prof. Wendy Barclay (Imperial College): "RNA-Viren mutieren bei Replikation; keine Hinweise auf schwerere Erkrankung durch B.1.1.7."
COG-UK: Schwierig, Mutationen früh einzuschätzen. Bekannte Stämme wie D614G sind ansteckender, aber nicht tödlicher. Spanische 20A.EU1 verbreitete sich 2020 europaweit; dänische Nerz-Varianten führten zu Massenkeulungen.