In Schottland hat die groß angelegte Produktion des Coronavirus-Impfstoffs des französischen Biotech-Unternehmens Valneva begonnen. Bei Genehmigung liefert der Hersteller bis Ende 2021 bis zu 60 Millionen Dosen an Großbritannien.
Hier erfahren Sie als Expertenübersicht alles Essentielle zum Valneva-Impfstoffkandidaten.
Welche Art von Impfstoff ist der Valneva-Kandidat?
Der Valneva-Impfstoff gehört zu den inaktivierten Ganzvirus-Impfstoffen. Diese enthalten Viren, deren genetisches Material durch Hitze, Chemikalien oder Strahlung zerstört wurde. Sie können keine Zellen infizieren oder sich vermehren, lösen aber eine starke Immunantwort aus.
Wurden Ganzvirus-Impfstoffe schon früher eingesetzt?
Ja, diese bewährte Technologie steckt hinter Impfstoffen gegen saisonale Influenza, Hepatitis A, Polio und Tollwut. Auch die COVID-19-Impfstoffe von Sinovac, Sinopharm (China) und Bharat Biotech (Indien), die in ihren Ländern notfallzugelassen wurden, basieren darauf.
Wie wirkt der Valneva-Impfstoff?
SARS-CoV-2, das Erreger von COVID-19, dringt mit seinen Spike-Proteinen in Zellen ein. Beim Valneva-Impfstoff bleibt die Spike-Protein-Struktur trotz Inaktivierung erhalten. Der Körper erkennt es als Fremdkörper, baut Antikörper auf und ist bei realer Infektion vorbereitet.
Vergleich mit Pfizer/BioNTech und Oxford/AstraZeneca
Im Unterschied zum Pfizer/BioNTech-Impfstoff (-70 °C Lagerung) benötigen Valneva und Oxford/AstraZeneca nur Standard-Kühllagerung bei 2–8 °C. Alle drei erfordern eine zweite Dosis für optimale Wirksamkeit.

Klinische Studien im Vereinigten Königreich
Der Kandidat wird derzeit an 150 Freiwilligen in Birmingham, Bristol, Newcastle und Southampton getestet. Diese Phase-I-Studien prüfen Sicherheit und Immunantwort. Bei Erfolg folgen im April 2021 Phase-II/III-Studien mit über 4.000 Teilnehmern ab 18 Jahren, inklusive Senioren über 65.
Es ist der fünfte NIHR-unterstützte Kandidat neben Oxford/AstraZeneca, Imperial College, Novavax und Janssen. Bei Erfolg könnte er Ende 2021 verfügbar sein.
Gesicherte Dosen für Großbritannien
Die britische Regierung hat 60 Millionen Dosen optioniert, mit Nachkaufoption für 130 Millionen bis 2025. Valneva verhandelt mit der EU-Kommission über weitere 60 Millionen Dosen.
Das Werk in Livingston (Schottland) kann jährlich 250 Millionen Dosen produzieren. Das Solna-Werk (Schweden) erweitert Abfüll- und Verpackungskapazitäten für den globalen Vertrieb.