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Durchbruch bei Reizdarmsyndrom: Forscher der KU Leuven erklären IBS-Schmerzen nach dem Essen

Im Vereinigten Königreich leiden schätzungsweise Millionen Menschen unter Reizdarmsyndrom (IBS). Trotzdem ist die Erkrankung noch wenig verstanden. Laut NHS handelt es sich um ein lebenslanges Leiden ohne bekannte Heilung, doch Ernährungsumstellungen und Medikamente können Symptome lindern.

Forscher der KU Leuven in Belgien haben nun einen zentralen Mechanismus für die Magenschmerzen bei IBS-Patienten identifiziert – mit Aussicht auf neue Behandlungen mittels Antihistaminika.

Ihre früheren Studien zeigten, dass Histaminproduktion – die Verbindung, die das Immunsystem bei Allergien wie Pollen freisetzt – bei IBS-Patienten mit Bauchschmerzen korreliert.

Im Unterschied zu systemischen Allergien ist die Histaminfreisetzung bei IBS rein lokal im Darm begrenzt.

"An einem Ende des Spektrums ist die Immunantwort auf ein Nahrungsmittelantigen sehr lokal, wie bei IBS", erklärt Gastroenterologe Prof. Guy Boeckxstaens von der KU Leuven. "Mastzellenaktivierung mit Auswirkungen auf Atmung, Blutdruck usw. liegt am anderen Ende."

Angesichts des Zusammenhangs zwischen gastrointestinalen Infektionen und IBS-Onset hypothesierten Boeckxstaens und Team, dass das Immunsystem nach Infektionen hypersensibel auf bestimmte Nahrungsmittel reagiert – auch nach Genesung.

Zum Test infizierten sie eine Mäusegruppe mit einer GI-Infektion und fütterten alle mit Ovalbumin, einem Protein, das Immunreaktionen auslöst. Wochen später reagierten nur die zuvor infizierten Mäuse mit lokaler Histaminfreisetzung im Darm durch Mastzellenaktivierung.

Das Team replizierte dies bei 12 IBS-Patienten, indem sie Gluten, Weizen, Soja und Kuhmilch in den Darm injizierten – mit identischen lokalen Reaktionen.

Inzwischen läuft eine größere klinische Studie zur Wirksamkeit von Antihistaminika bei IBS.

"Dies unterstreicht die klinische Relevanz unseres Mechanismus. Die Kenntnis der Mastzellaktivierung ermöglicht neuartige Therapien", betont Prof. Boeckxstaens. "Mastzellen setzen nicht nur Histamin frei, sondern viele Mediatoren – eine Blockade verspricht effizientere Behandlungen."