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Prof. Steffanie Strathdee besiegt den Superkeim 'Acinetobacter baumannii' und rettet das Leben ihres Mannes

Professorin Steffanie Strathdee und ihr Mann Tom genossen auf der obersten Etage eines Kreuzfahrtschiffs in Ägypten ihr Abendessen und freuten sich auf die Ausflüge ihres letzten Urlaubstags. 2015 erfüllten sie Toms Traum, Ägypten zu erkunden. Doch Stunden später erkrankte Tom schwer.

Als renommierte Epidemiologin für Infektionskrankheiten tippte Steffanie zunächst auf eine Lebensmittelvergiftung durch Meeresfrüchte. Als Tom jedoch dehydrierte und Rückenschmerzen bekam, ahnte sie Schlimmeres. "Ich bin kein Arzt, aber mein Mikrobiologie-Studium hilft mir, Inkubationszeiten zu kalkulieren", erinnert sie sich. Sie kontaktierte ihren Kollegen Professor Chip Schooley von der University of California, San Diego, der die Symptome analysierte und eine sofortige Krankenhausaufnahme empfahl.

In der lokalen Klinik diagnostizierten ägyptische Ärzte Pankreatitis, doch die Ressourcen reichten nicht aus. Sie flogen 3.000 km nach Deutschland, wo ein Gallenstein einen fußballgroßen Magenabszess verursacht hatte. Beim Ablassen floss faulige Flüssigkeit – mit Bakterien.

Prof. Steffanie Strathdee besiegt den Superkeim  Acinetobacter baumannii  und rettet das Leben ihres Mannes

Steffanie erwartete eine Standard-Antibiotika-Therapie. Doch der Arzt in Schutzkleidung verkündete: "Das sind die schlimmsten Bakterien der Welt." Es handelte sich um Acinetobacter baumannii, ein hochresistenter Superkeim.

Was Bakterien gefährlich macht, ist ihre Resistenz. Dieser Erreger umgeht Antibiotika durch Mutationen und Gen-Diebstahl von anderen Bakterien – wie ein "bakterieller Kleptomane", beschreibt Steffanie es.

Prof. Steffanie Strathdee besiegt den Superkeim  Acinetobacter baumannii  und rettet das Leben ihres Mannes

Der Superkeim Acinetobacter baumannii

Acinetobacter baumannii war in den 1970er/80er-Jahren harmlos. Heute ist er multiresistent, befällt feuchtes Gewebe, verursacht Nekrosen und dringt in den Blutkreislauf ein. In Deutschland widerstand er 15 Antibiotika, nur drei wirkten teilweise – mit schweren Nebenwirkungen.

Tom wurde nach San Diego verlegt, doch der Keim wurde gegen alle Mittel resistent. Ein Drainageschlauch rutschte heraus, infizierte Flüssigkeit floss in den Bauchraum – septischer Schock folgte.

Prof. Steffanie Strathdee besiegt den Superkeim  Acinetobacter baumannii  und rettet das Leben ihres Mannes

"Innerhalb von Minuten Herzrasen, Blutdruckabfall, Fieber und Rigor – das Bett schlug gegen die Wand", schildert Steffanie. Tom landete intubiert im Koma.

Suche nach Alternativen: Phagentherapie

Ohne Antibiotika-Optionen recherchierte Steffanie in der National Library of Medicine. Sie entdeckte Phagentherapie: Bakteriophagen, Viren, die Bakterien gezielt zerstören. Erstmals 1919 eingesetzt, vernachlässigt im Westen zugunsten von Antibiotika.

Mit FDA-Notfallgenehmigung durch Prof. Schooley und Phagen aus Texas (aus Abwasser isoliert) sowie der US Navy begann die IV-Therapie – weltweit erstmals.

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"Niemand wusste, ob es heilt oder tötet", sagt Steffanie. Doch nach drei Tagen hob Tom den Kopf, küsste seine Tochter. Innerhalb von Monaten erholte er sich vollständig.

Ein neues Leben und Forschungsimpulse

Steffanie leitet heute das Center for Innovative Phage Applications and Therapeutics (IPATH) in San Diego. Ihre Erfahrung belebte die Phagentherapie-Forschung. Gemeinsam schrieben sie The Perfect Predator (2019).

Hören Sie Steffanie im Science Focus Podcast.