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Neue Studie: Menschliche Plazenta ähnelt einem Flickenteppich aus Tumoren mit Krebsmutationen

Neue Forschungsergebnisse zeigen: Die normale Struktur der menschlichen Plazenta gleicht der eines Tumors und enthält viele genetische Mutationen, die typisch für Krebserkrankungen im Kindesalter sind.

In der ersten umfassenden Studie zur genomischen Architektur der menschlichen Plazenta haben Wissenschaftler des Wellcome Sanger Institute und der University of Cambridge festgestellt, dass sie sich grundlegend von allen anderen menschlichen Organen unterscheidet.

Die Ergebnisse unterstützen die Theorie, dass die Plazenta als "Mülldeponie" für genetische Defekte dient, während der Fötus diese Fehler korrigiert oder umgeht, erklären die Forscher.

In der Frühschwangerschaft nistet sich das befruchtete Ei in die Gebärmutterwand ein und teilt sich von einer Zelle in viele. Einige dieser Zellen differenzieren sich und bilden die Plazenta.

Ab der 10. Schwangerschaftswoche greift die Plazenta auf den mütterlichen Kreislauf zu, versorgt den Fötus mit Sauerstoff und Nährstoffen, entfernt Abfallprodukte und reguliert essenzielle Hormone.

Es ist seit Langem bekannt, dass die Plazenta einzigartig ist. Bei 1 bis 2 Prozent der Schwangerschaften weisen Plazentazellen eine abweichende Chromosomenzahl auf – ein Fehler, der für den Fötus tödlich sein kann, die Plazenta jedoch oft weitgehend funktioniert.

Trotzdem sind Plazentaprobleme eine Hauptursache für Schäden an Mutter und Kind.

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"Unsere Studie bestätigt erstmals, dass die Plazenta anders organisiert ist als jedes andere menschliche Organ und tatsächlich einem Flickenteppich von Tumoren ähnelt", sagt Professor Steve Charnock-Jones, leitender Autor von der University of Cambridge.

"Die Raten und Muster genetischer Mutationen waren im Vergleich zu anderen gesunden Geweben unglaublich hoch."

Diese bahnbrechende Studie, veröffentlicht in Nature, analysierte mittels Gesamtgenomsequenzierung 86 Biopsien und 106 Mikrodissektionen aus 42 Plazentas – Proben aus verschiedenen Organbereichen.

Jede Biopsie ergab eine genetisch einzigartige "klonale Expansion": Eine Zellpopulation aus einem gemeinsamen Vorfahren. Dies deutet auf klare Parallelen zur Krebsentstehung hin.

Die Analyse deckte Mutationsmuster auf, die häufig bei Kindeskrebsarten wie Neuroblastom und Rhabdomyosarkom vorkommen – und in noch höherer Zahl in der Plazenta.

Die Forscher fordern weitere Studien mit großen Kohorten, um Zusammenhänge zwischen Plazenta-Anomalien und Geburtskomplikationen zu klären.

"Die Plazenta ist der 'Wilde Westen' des menschlichen Genoms und unterscheidet sich vollständig von anderem gesundem Gewebe", betont Dr. Sam Behjati vom Wellcome Sanger Institute, leitender Autor.

"Sie schützt vor genetischen Fehlern, birgt aber eine hohe Krankheitslast. Unsere hochauflösenden Daten rechtfertigen tiefergehende Untersuchungen zu Geburtsausgängen."