So wie 2020 das Jahr der COVID-19-Pandemie war, wird 2021 das Jahr des Impfstoffs – ein Wettlauf, der beispiellos war.
Im März 2020 hatte ich das Glück, in der BBC-Sendung Horizon ein Exklusivinterview mit Prof. Robin Shattock zu führen, Leiter der Abteilung für Infektionskrankheiten am Imperial College London. Sein Team entwickelte damals bereits einen innovativen Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus.
Im Gegensatz zu vielen Experten war Shattock optimistisch: Bis Ende 2020 könnte ein Impfstoff entwickelt, getestet und massenproduziert werden.
Traditionelle Impfstoffe basieren auf gezüchteten, abgetöteten oder abgeschwächten Viren. Shattocks Ansatz nutzt mRNA – das Molekül, das Zellen zur Proteinproduktion anweist. Genau diese Technologie steckt in den Impfstoffen von Pfizer und Moderna.

Die neuen Impfstoffe injizieren mRNA, die gezielt die "Spike-Proteine" des Virus produziert – nicht das gesamte Virus. Diese Proteine triggern eine Immunantwort, wie beim echten Virus, aber ohne Infektionsrisiko.
Der Imperial-Impfstoff ist selbstverstärkend: Er erzeugt eine längere Immunität, erfordert weniger Dosis und könnte günstiger sein als Pfizer oder Moderna.
Shattock warnte vor möglichen Nebenwirkungen, hielt sie aber für geringer als bei konventionellen Impfstoffen: "Wir züchten keine Viren und verwenden keine tierischen Zellen. Unser Produkt ist extrem rein – das minimiert Risiken."
Viele befürchten Mutationen wie bei Grippe oder HIV. Shattock, HIV-Impfstoff-Experte, beruhigt: Das SARS-CoV-2-Virus mutiert langsamer. "Es ist ein stabiles Ziel. Die Erfolgschancen sind hoch", sagte er.
Seine Prognosen trafen zu. Obwohl der Imperial-Impfstoff noch klinische Studien abschließt, erwarten wir ihn 2021 neben anderen mRNA-Impfstoffen – eine Revolution in der Medizin.
- Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 358 des BBC Science Focus Magazine.