David Nutt, Professor für Neuropsychopharmakologie am Imperial College London, erklärt in einem Auszug aus seinem Buch Drogen ohne heiße Luft, wie Psychedelika bei der Behandlung vielfältiger psychischer Erkrankungen helfen und sogar Problemlösungen fördern können.
Seit der ersten Auflage dieses Buches hat die Psychedelika-Forschung eine beeindruckende Explosion erlebt. Dazu gehören bildgebende Gehirnstudien zu Psilocybin, Ayahuasca und LSD sowie wegweisende klinische Studien – viele davon vom Team unter Leitung von Robin Carhart-Harris in meiner Abteilung.
In Kooperation mit der Beckley Foundation führten wir drei bildgebende Studien mit Psilocybin durch: zwei mit fMRT, eine mit MEG (Magnetoenzephalographie) und die erste Studie zu LSD. Ähnliche Arbeiten entstanden in Barcelona (Ayahuasca) und Zürich (Psilocybin und LSD).
Diese Studien bestätigen frühere Ergebnisse: Psilocybin, kontrolliert verabreicht, kann bei Depressionen wirken.
Psychedelika erzeugen einen tiefgreifend veränderten Bewusstseinszustand durch Lockerung normaler Gehirnrestriktionen. Das Gehirn wird flexibler und vernetzter – Grund für komplexe Halluzinationen und Gefühle wie universelle Verbundenheit. Wie William Blake via Aldous Huxley sagte: Die Türen der Wahrnehmung öffnen sich, und alles erscheint unendlich.
Neue neurowissenschaftliche Erkenntnisse zeigen: Psilocybin hilft Sterbenden, sich mit dem Tod abzufinden, oder Patienten mit therapieresistenter Depression. Pilotstudien testen es bei Rauchen und Alkoholabhängigkeit. Unsere 2016-Studie zu Depressionen wiederholen wir nun mit Vergleich zu Escitalopram (SSRI), finanziert vom Alexander Mosley Charitable Trust – um Gehirnmechanismen zu vergleichen.

Ende 2016 berichteten Roland Griffiths (Johns Hopkins) und Stephen Ross (NYU) über die größten placebokontrollierten Psilocybin-Studien: 25 mg reduzierten signifikant Angst und Depression bei tödlich Erkrankten – validiert durch ähnliche Designs.
Die Ergebnisse stießen auf breite Anerkennung; sogar Ex-Präsidenten der American Psychiatric Association forderten mehr Forschung. Basierend darauf plant man Psilocybin-Zulassung gegen Depressionen – FDA-bestätigt. COMPASS Pathways testet nun in multizentrischer Studie 25 mg; Ergebnisse erwartet 2021, Zulassung möglich bald danach.
Sollten Wissenschaftler LSD nehmen?
Vor der Illegalisierung von LSD wurde es zur Problemlösung erforscht. Zwar erschweren Trips Konzentration bei Standardtests, doch Psychedelika regen Kreativität an, indem sie Hemmschwellen abbauen und neue Perspektiven eröffnen.
Optimal mit Vorbereitung: Das Problem nüchtern analysieren, ruhige Umgebung mit Notizen, Stiften und Guide. In solcher Set-up konzentriert man sich besser – beeinflussbar wie auf LSD.
Designer, Architekten und Ingenieure berichteten von Inspirationsmomenten: perfekte Designs offenbarten sich plötzlich.

In LSD – das Problemlösungs-Psychedelikum (1967) werden Beispiele genannt: Ein Möbeldesigner finalisierte einen Stuhl in Minuten, der ohne Änderungen produziert wurde. Ein Marineingenieur löste nach fünf Jahren ein Geräteproblem in Minuten – patentiert und genutzt. Ein Architekt visualisierte ein Einkaufszentrum vollständig.
Sogar in Grundlagenforschung hilft LSD: Francis Crick (DNA-Doppelhelix) und Kary Mullis (PCR) nahmen es und kreditierten Einsichten daran. Mullis: „Hätte ich PCR ohne LSD erfunden? Ich bezweifle es.“ Beide erhielten Nobelpreise. Heutige Illegalität bremst möglicherweise Fortschritt.
WARNUNG: Psilocybin und halluzinogene Pilze sind nach britischem Recht eine Droge der Klasse A. Besitz droht bis zu sieben Jahren Gefängnis, unbegrenzte Strafe oder beides. Infos und Hilfe: bit.ly/drug_support