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Der faszinierende evolutionäre Ursprung der menschlichen Stimme: Von Fischen zur Rede

Die Stimme jedes Tieres – von Vögeln über Hunde, Löwen, Schafe, Robben, Frösche, Katzen, Schimpansen bis hin zu Mäusen und uns Menschen – teilt mindestens zwei Merkmale: Sie wird von der Lunge angetrieben und durch den Mund abgegeben. Und jede dieser Stimmen, sei es Bellen, Wiehern, Jammern, Zwitschern, Kreischen, Miauen, Rülpsen oder Brüllen bis hin zur Rede zur Lage der Nation, geht auf einen gemeinsamen Vorfahren zurück, den wir kaum mit Stimme assoziieren: den Fisch.

Um dies zu verstehen, reisen wir 530 Millionen Jahre zurück, zur Entstehung der ersten Fische. Wie ihre modernen Nachkommen extrahierten diese Urfische Sauerstoff aus dem Wasser und stießen CO2 mit Hilfe spezieller Membranen aus, die ihren Rachen auskleideten: Kiemen.

Einige dieser Fische lebten in flachen Seen oder Sümpfen und strandeten bei Dürren an Land. Viele erstickten, doch mindestens einer profitierte von einer glücklichen Mutation, die die Evolution antrieb.

Diese Mutation – möglicherweise ein Genfehler bei der Kiemenbildung – ermöglichte es der veränderten Membran, Luft Sauerstoff zu entziehen. Ein winziger Vorteil, der den Fisch nicht nur die Trockenheit überstehen ließ, sondern ihm auch erlaubte, sich fortzupflanzen und diesen Überlebensvorteil weiterzugeben.

Über Hunderttausende Jahre und zahlreiche weitere Mutationen entstand in sumpfigen Gewässern eine neue Art: ein Übergangstier mit beiden Atmungssystemen – wasseratmenden Kiemen und rudimentären Lungen aus umgewandelten Schwimmblasen. Diese Lungenfische sind unsere ältesten luftatmenden Landverwandten.

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Sie leben noch heute in Sümpfen Südamerikas, Afrikas und Australiens – als "lebende Fossilien", die sich kaum verändert haben. Charles Darwin nutzte sie in Der Ursprung der Arten, um zu zeigen, wie ein Organ für einen Zweck (Schwimmblase zum Schwimmen) zu einem anderen werden kann (Lunge zur Atmung).

Dies markiert einen Schlüsselstein in der Entwicklung unserer Stimme: den luftgetriebenen Blasebalg, der Sprache und Gesang antreibt. Doch ein anderer Pionier, Victor Negus, deckte sieben Jahrzehnte später eine weitere Adaption auf.

Negus, ein Veteran des Ersten Weltkriegs, begann 1921 seine Spezialisierung in der Halschirurgie am King’s College Hospital in London. Seine Doktorarbeit zur Stimmerzeugung bei Tieren und Menschen dauerte neun Jahre und umfasste Sezierungen von Fischen bis Säugetieren. Das Ergebnis: die 500-seitige Monografie Der Mechanismus des Kehlkopfes (1929), ein Standardwerk für ein halbes Jahrhundert und Grundlage seiner Ritterwürde.

Negus zeigt: Unsere Stimme beginnt beim Lungenfisch. Bei Sezierungen einer australischen Art (Lepidosiren) entdeckte er ein Loch in den Kiemen, das eine Öffnung im Mundboden zur Schwimmblase schuf – der Vorläufer der Lunge.

Dieses Loch machte das Tier anfällig für Ertrinken. "Deshalb", schrieb Negus, "entwickelte sich ein Ventil, um den Lungeneingang vor Wasser und Schadstoffen zu schützen."

Unsere Stimmbänder sind Erben dieses Fisch-Erbes: eine Klappe über der Luftröhre, die sich öffnet zum Atmen und schließt gegen Gefahren – oder zum Erzeugen von Klang. Luft aus der Lunge trifft auf die geschlossene Klappe, lässt die Membranen vibrieren, ähnlich wie Lippen beim Himbeerblasen.