Im Wellness-Bereich umrankt ein Hauch von Skepsis einen der heiß diskutierten Trends: die Analyse des Stuhlgangs zur Einschätzung der Gesundheit. Dieser Ansatz wird zu einem lukrativen Markt.
Verschiedene Unternehmen bieten Heimtestkits an, mit denen Sie eine Stuhlprobe an ein Labor schicken – dort wird unter anderem die Vielfalt der Darmbakterien untersucht. Ergänzt werden diese Angebote durch Apps zur Klassifizierung des Stuhlgangs, Fußhocker für effizienteres Ausscheiden sowie eine Flut an Probiotika, Nahrungsergänzungsmitteln und Lebensmitteln für eine optimale Darmgesundheit.
Schätze zufolge erreicht der Markt bis 2025 einen Wert von 1,6 Milliarden Pfund. Lohnt es sich also, Ihren Stuhlgang genauer zu betrachten, oder handelt es sich um reines Marketing?
Professor Tim Spector, Epidemiologe am King's College London und Autor des Bestsellers Spoon-Fed zu Ernährung und Darmgesundheit, plädiert für eine differenzierte Sicht. Zwar gibt es unseriöse Anbieter, doch die Untersuchung des Stuhlgangs birgt echten Wert.
„Man kann daraus viel lernen“, betont Spector. „Wären mehr Menschen aufmerksamer bei ihrem Stuhlgang, wäre das Bewusstsein für die Darmgesundheit größer.“
Stuhlgang-Beobachtung klingt unkonventionell, ist aber altbekannt: Sie ist seit Tausenden Jahren Teil der traditionellen chinesischen Medizin. Ein Artikel im British Medical Journal von 1958 erklärt: „Stuhl ist wie die Haut – sichtbar, häufig untersucht und anfällig für Erkrankungen.“
Trotz Ekel-Faktors und variierender wissenschaftlicher Akzeptanz taucht das Thema zyklisch auf. In den 2000er Jahren popularisierte Ernährungswissenschaftlerin Gillian McKeith es in „Du bist, was du isst“, doch Kritik an ihren Qualifikationen lässt es verblassen. Für viele war es ebenso orakelhaft wie Teeblätter-Lesen.
Heute erlebt es dank des Mikrobiom-Booms ein Comeback. Die Darmgesundheit ist ein hochaktives Forschungsgebiet: Zahlreiche Studien verknüpfen Darmbakterien mit Erkrankungen wie Demenz, Depressionen, Herzkrankheiten und chronischen Entzündungen.
Im Januar publizierte Spector in Nature Medicine eine Studie mit 1.000 Probanden, die Zusammenhänge zwischen Ernährung, Mikroben und Gesundheit aufzeigt. „Es ist das erste umfassende Paper dazu“, erklärt er. „Wir identifizierten 30 Mikroben, die mit guter oder schlechter Ernährung und Gesundheit korrespondieren. Das Verhältnis guter zu schlechten Bakterien ist der beste Indikator für die Gesamtgesundheit.“
Moderne Firmen nutzen Sequenzierungstechnologien, um aus Stuhlproben jedes Gen und jede Mikrobe zu analysieren – wie ein gigantisches Puzzle.
Spector gründete Zoe, das bald in Großbritannien startet: Es analysiert Proben und gibt personalisierte Lebensstil-Empfehlungen.
Seed.com, gegründet von Top-Forschern, lädt Nutzer ein, Stuhlgang-Fotos hochzuladen, um KI für maßgeschneiderte Apps zu trainieren.
Es gibt auch Warnungen: Das US-Startup uBiome wurde wegen Betrugs aufgelöst.
Ohne Gentests hilft die Bristol-Stuhltabelle (1997 entwickelt): Sie klassifiziert Stuhlgang in sieben Typen von Verstopfung bis Durchfall, nützlich bei Reizdarm-Diagnose.

Spector empfiehlt, Transitzeit zu tracken, z. B. via „Blue Poo-Studie“ mit blauen Muffins: Ideale Zeit ist ein bis zweimal täglich.
Er lebt seine Ratschläge: 30 Pflanzen wöchentlich, fermentierte Lebensmittel, Polyphenole, zeitlich beschränktes Essen – und wenig Junkfood.