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Earswitch: Computersteuerung per Ohr-Muskel – Hoffnung für MND-Patienten

Das innovative Earswitch-Gerät, entwickelt von Hausarzt Dr. Nick Gompertz und einem Forscherteam der University of Bath, ermöglicht Menschen mit neurologischen Erkrankungen wie der Motoneuronerkrankung (MND), wieder zu kommunizieren – und das mithilfe eines winzigen, verborgenen Muskels im Ohr.

Mit dem Earswitch können Betroffene eine Tastatur steuern, indem sie den Tensor-Tympani-Muskel im Ohr anspannen. Dieser kleinste Muskel des Körpers schützt normalerweise das Trommelfell vor lauten Geräuschen und kann bei manchen Menschen willkürlich kontrolliert werden.

Dr. Gompertz hat einen Prototyp entwickelt, der an eine unterstützende Tastatur angelehnt ist, wie sie der verstorbene Professor Stephen Hawking nutzte. Im Unterschied dazu greift Earswitch auf den Ohr-Muskel zurück statt auf einen Wangenmuskel.

Bei Patienten mit Locked-in-Syndrom nach Schlaganfall oder im Spätstadium von MND bleibt die Kontrolle über diesen Muskel oft erhalten – ein Vorteil gegenüber bestehenden Hilfsmitteln, die bei fortschreitender Erkrankung versagen.

Earswitch: Computersteuerung per Ohr-Muskel – Hoffnung für MND-Patienten

„Als Medizinstudent habe ich gesehen, wie Patienten ihre Kommunikationshilfen verloren. Ich wusste von meiner Fähigkeit, den Ohr-Muskel anzuspannen, und fragte mich, ob das nutzbar ist“, erklärt Gompertz. Später, inspiriert von einem Dokumentarfilm über einen nonverbalen Jungen, der ein Buch mit den Augen schrieb, perfektionierte er die Technik.

Viele Menschen kennen diesen Muskel nicht, spüren ihn aber beim Gähnen: Er dämpft das Hören und kann ein Völlegefühl oder Rauschen verursachen.

Der Prototyp ist eine Miniaturkamera in einem Silikon-Ohrstück wie ein Ohrhörer. Sie erfasst Bewegungen des Trommelfells beim Anspannen und übersetzt sie in Tastatureingaben.

„Der Computer erkennt die Bewegung und steuert eine Bildschirmtastatur, die Buchstabenreihen scannt. Ein simpler ‚Ohrklick‘ wählt sie aus“, beschreibt Gompertz.

„Enorme Fortschritte in der Assistenztechnik verbessern das Leben von MND-Patienten. Innovative Ansätze sind essenziell bei schwerer Lähmung“, betont Dr. Brian Dickie von der MND Association. Der Tensor-Tympani-Muskel funktioniert oft auch spät, was Earswitch zu einer bahnbrechenden Lösung macht.

Gompertz sieht Potenzial jenseits neurologischer Erkrankungen: „Zusätzlich könnte es Anrufe über Headsets beim Fahren steuern.“

Um die Verbreitung der Fähigkeit zu ermitteln, sucht das Team Umfrageteilnehmer:

  • Allgemeine Bevölkerungsumfrage ausfüllen
  • Umfrage für Personen mit neurologischen Erkrankungen