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Ständig hungrig nach dem Essen? Blutzuckereinbrüche als Ursache – Erkenntnisse aus der weltgrößten Ernährungsstudie PREDICT

Als Ernährungswissenschaftlerin Dr. Sarah Berry, Mitwirkende am PREDICT-Programm – der umfassendsten Ernährungsstudie weltweit –, enthüllen wir: Manche Menschen erleben nach Mahlzeiten starke Blutzuckereinbrüche, die frühere und intensivere Hungergefühle auslösen. Basierend auf jahrelanger Forschung mit Tausenden Teilnehmern teilt sie exklusive Insights.

Warum fokussierten Sie sich auf das Frühstück in der PREDICT-Studie?

Die PREDICT-Studie umfasste zwei Phasen. Zuerst ein streng kontrollierter Kliniktag in unserer Klinik am St. Thomas’ Hospital in Großbritannien oder am Massachusetts General Hospital in Boston, USA. Hier erhielten Teilnehmer eine standardisierte "Stoffwechsel-Challenge-Mahlzeit" – einen fettreichen, kohlenhydratreichen Muffin mit Milchshake zum Frühstück, gefolgt von einem standardisierten Mittagessen, um individuelle Reaktionen klar zu differenzieren.

Darauf folgte eine zweiwöchige Heimphase mit tragbaren Geräten wie kontinuierlichen Glukosemonitoren. Wir lieferten täglich standardisierte Frühstücke mit variierenden Makronährstoffen – Fett, Protein, Kohlenhydrate und Ballaststoffe. Nach nächtlichem Fasten und ohne Sport vor der Mahlzeit (um glykämische Reaktionen nicht zu beeinflussen) durften sie nach drei Stunden frei essen (ad libitum). So erforschten wir Reaktionen unter realen und kontrollierten Bedingungen.

Welche Schlüsselerkenntnisse ergaben sich?

Das PREDICT-Programm zeigt: Jeder reagiert einzigartig auf Lebensmittel. Der menschliche Stoffwechsel ist komplex, ebenso wie Nahrungsmittel mit ihren Tausenden Chemikalien und Strukturen. In kontrollierten Settings variierte die Reaktion auf identische Mahlzeiten bis zum 10-Fachen.

Nicht nur der Inhalt der Mahlzeit zählt – auch nicht primär Gene (bei 70 % eineiigen Zwillingen minimaler Einfluss). Entscheidend sind Zubereitung, Tageszeit, Sport, Schlaf und vorherige Mahlzeiten.

Mit kontinuierlichen Glukosemonitoren am Arm entdeckten wir: "Big-Dipper" (Personen mit starken Einbrüchen unter den Ausgangswert 2–4 Stunden postprandial) wurden hungriger. Sie aßen 30 Minuten früher und mehr Kalorien bei der nächsten Mahlzeit. Über 24 Stunden nahmen Big-Dipper ca. 300 Kalorien mehr zu sich und fühlten sich weniger wachsam.

Gab es Trends bei Big-Dippers?

Männer zeigten tendenziell stärkere Einbrüche als Frauen, doch die Variabilität war enorm – unabhängig von Alter oder BMI, wie bei allen PREDICT-Ergebnissen.

Was tun als Big-Dipper?

Zwei Faktoren spielen: Individuelle Biologie und spezifische Lebensmittel. Testen Sie mit einem kontinuierlichen Glukosemonitor verschiedene Nahrungsmittel, um Auslöser für Spitzen und Einbrüche zu identifizieren.

ZOE, das kommerzielle Produkt des finanzierenden Tech-Unternehmens, bietet personalisierte Programme: Überwachen Sie Blutzucker, Mikrobiom und mehr für optimale Reaktionen.

Wie passt das zur personalisierten Ernährung?

Individuen sind hochkomplex mit interagierenden biologischen Pfaden; Lebensmittel ebenso. "One-size-fits-all" scheitert an steigenden ernährungsbedingten Krankheiten. Richtlinien erlauben Personalisierung – nun messbar dank tragbarer Technologien und Heimtests.

Einzelne Marker (Genetik, Mikrobiom, Glukose) reichen nicht; multifaktorielle Ansätze wie bei ZOE sind entscheidend. Reine Gentests spielen nur eine kleine Rolle, wie unsere Daten belegen.

  • Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 363 des BBC Science Focus Magazine.