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AstraZeneca-Impfstoff: Leicht erhöhtes Risiko für Blutungsstörung ITP – Studie bestätigt geringen Nutzen-Risiko-Abgleich

Der Oxford/AstraZeneca-COVID-19-Impfstoff ist nach aktuellen Forschungsergebnissen mit einem leicht erhöhten Risiko für bestimmte Blutungsstörungen assoziiert.

Eine umfassende Analyse von Patienten nach der ersten Dosis des AstraZeneca- oder Pfizer/BioNTech-Impfstoffs zeigte ein minimal erhöhtes Risiko für immunthrombozytopenische Purpura (ITP), eine autoimmune Blutungsstörung, die vor allem mit AstraZeneca in Verbindung steht.

Die Studie deutet zudem auf mögliche Risiken für weitere Blutungen und vaskuläre Ereignisse hin.

„ITP ist eine Erkrankung, bei der das Immunsystem die eigenen Blutplättchen zerstört. Diese sind essenziell, um Blutungen zu stoppen. Symptome sind meist mild, Todesfälle extrem selten“, erklärt Dr. Will Lester, leitender Hämatologe am University Hospitals Birmingham NHS Foundation Trust, der nicht an der Studie beteiligt war.

Die Forscher betonen: Diese Risiken sind sehr gering und vergleichbar mit denen bekannter Impfstoffe gegen Hepatitis B, Masern, Mumps, Röteln oder Influenza.

Klinische Studien belegen die gute Verträglichkeit beider Impfstoffe, trotz isolierter Berichte über schwere Nebenwirkungen.

Die britische Arzneimittelbehörde MHRA meldete 209 Fälle von Thrombozytopenie und Thromboembolien nach 22 Millionen Erstdosen und 6,8 Millionen Zweitdosen von AstraZeneca.

Prof. Aziz Sheikh von der University of Edinburgh und Team untersuchten 2,53 Millionen Erwachsene in Schottland (57 % der über 18-Jährigen), die zwischen Dezember und April ihre erste Dosis erhielten. Ergebnis: AstraZeneca war bis 27 Tage post-vaccination mit leicht erhöhtem ITP-Risiko verbunden – geschätzt 1,13 Fälle pro 100.000 Erstdosen.

ITP führt bei Betroffenen oft zu leichten Hämatomen, seltener zu starken Blutungen oder Langzeitfolgen.

Zudem ergab sich ein minimales Risiko für arterielle Thrombosen und Blutungen innerhalb von 27 Tagen. Daten reichten jedoch nicht für einen Zusammenhang mit zerebraler venöser Sinus-Thrombose.

Beim Pfizer-Impfstoff zeigten sich keine erhöhten Risiken.

Die Autoren unterstreichen: Die Vorteile von AstraZeneca überwiegen bei Weitem, da Impfrisiken deutlich unter denen einer schweren COVID-19-Erkrankung liegen – besonders bei Älteren und Risikogruppen.

Weitere Studien zu Jüngeren und Zweitdosen sind geplant.

„Selbst bei leicht erhöhtem ITP-Risiko überwiegt der Nutzen des AstraZeneca-Impfstoffs klar“, fasst Prof. Stephen Evans von der London School of Hygiene & Tropical Medicine zusammen.

„ITP verursacht bei den meisten keine schweren Probleme – doch nicht bei allen.“

AstraZeneca-Impfstoff: Leicht erhöhtes Risiko für Blutungsstörung ITP – Studie bestätigt geringen Nutzen-Risiko-Abgleich

Im Unterschied zum seltenen VITT-Syndrom (nach AZ und J&J) ist ITP in der Regel gut behandelbar, so Lester.

Die Studie erschien in Nature Medicine.

Die Ergebnisse passen zu früheren Bedenken bezüglich Thrombosen nach AZ. Der JCVI spricht von „extrem geringem Risiko“ und rät unter 40-Jährigen ohne Vorerkrankungen ggf. zu Alternativen, falls verfügbar.