Kaum ein Tag vergeht, ohne dass Nachrichten oder Dokumentationen über die Adipositas-Pandemie berichten – einige Beispiele dazu habe ich sogar selbst mitverfasst. In Großbritannien und den USA sind rund 60 % der Bevölkerung übergewichtig oder adipös.
Diese alarmierenden 60 % stammen aus bevölkerungsweiten BMI-Statistiken. Der Body-Mass-Index (BMI) berechnet sich als Körpergewicht in Kilogramm geteilt durch das Quadrat der Körpergröße in Metern (kg/m²).
Ein 'normaler' BMI liegt bei 20–25 kg/m². Unter 18 gilt als Untergewicht, 25–30 als Übergewicht und über 30 als Adipositas.
In den letzten Jahren hat der BMI an Reputation eingebüßt. Er gilt bestenfalls als grober Indikator für Fettmasse und Gesundheit, schlimmstenfalls als Mittel zur Stigmatisierung. Doch was rechtfertigt diese Kritik, und sollte er ersetzt werden?
Der BMI ist für Individuen von Natur aus ungenau, da er nur Gewicht und Größe berücksichtigt. Er unterscheidet nicht zwischen einem muskulösen Rugbyspieler und einem Durchschnittsmenschen mit gleichem Gewicht, aber höherem Fettanteil.
Warum nicht direkt die Fettmasse messen?
Der Goldstandard ist die Dual-Energy-Röntgen-Absorptiometrie (DEXA). Sie scannt den Körper mit zwei niedrig dosierten Röntgenstrahlen unterschiedlicher Energie, die Gewebedichten differenzieren – Fett (geringe Dichte) von Muskeln und Knochen (hohe Dichte).
Bekannter sind Körperfettwaagen mit bioelektrischer Impedanzanalyse (BIA). Sie leiten einen schwachen Strom durch den Körper: Muskeln leiten besser als Fett, höherer Widerstand bedeutet mehr Fett.
DEXA ist hochpräzise, aber teuer, apparateabhängig und logistisch ungeeignet für große Studien. BIA-Waagen sind günstig und zugänglich – von Haushaltsmodellen bis Apothekenwaagen –, doch oft ungenau.
Im Gegensatz dazu ist der BMI kostengünstig, einfach und skalierbar. Die Mehrheit der Bevölkerung sind keine Athleten; bei den meisten korreliert höherer BMI mit mehr Fett. Er eignet sich hervorragend für populationsbasierte Analysen von Gewicht und Gesundheit.
Für Individuen darf der BMI jedoch nie alleiniges Kriterium sein. Er muss mit Faktoren wie Nüchtern-Insulin/Glukose, Blutdruck und familiärer Vorbelastung kombiniert werden. Der britische Frauen- und Gleichstellungsausschuss fordert sogar die Abschaffung des BMI als alleinigen Gesundheitsindikator, da er Essstörungen und Stigmatisierung begünstigt.
Warum schadet zu viel Fett? Gewichtszunahme vergrößert Fettzellen (Adipozyten) wie Luftballons – die Zellzahl bleibt konstant. Überschüssiges Fett lagert sich dann in Muskeln oder Leber ab, was Typ-2-Diabetes und Stoffwechselstörungen fördert.
Genetik spielt eine Rolle: Ost- und Südasiaten erreichen früher die Grenze ihrer Fettzellenexpansion und damit Diabetesrisiko. Andere Gruppen wie Kaukasier oder Polynesier vertragen mehr Gewicht, dank flexiblerer Adipozyten.
In Populationen gibt es Gesundheit in allen Größen – manche Große mit hohem BMI sind metabolisch fit, manche Schlanke diabetisch. Für Individuen gilt: Überschreiten Sie Ihre genetisch bedingte 'sichere Fetttransportkapazität', werden Sie krank.
Wie ermitteln wir diese Kapazität? Aktuelle Forschung arbeitet daran. Bis dahin bleibt der BMI auf Bevölkerungsebene der Standard für Adipositas und Gesundheit.
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