Neue Forschungsergebnisse zeigen: Eine Ernährung reich an Flavonoiden geht mit einem niedrigeren Blutdruck einher – und ein verbessertes Darmmikrobiom erklärt diesen Zusammenhang teilweise.
Flavonoide sind natürliche Pflanzenstoffe, die in Gemüse, Obst wie Äpfeln, Birnen und Beeren, aber auch in Schokolade, Tee und Wein vorkommen. Im Körper wirken sie antioxidativ und schützen vor UV-Strahlung. Das Darmmikrobiom baut sie ab und verstärkt so ihre gesundheitlichen Effekte.
„Unser Darmmikrobiom spielt eine Schlüsselrolle bei der Metabolisierung von Flavonoiden, um ihre kardioprotektiven Wirkungen zu verstärken. Diese Studie liefert Hinweise, dass blutdrucksenkende Effekte durch einfache Ernährungsänderungen erreichbar sind“, erklärt Prof. Aedín Cassidy von der Queen’s University Belfast, Nordirland, leitende Prüfin der Untersuchung.
Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Herz-Kreislauf-Erkrankungen (CVD) als weltweit häufigste Todesursache im Jahr 2019 ein. Frühere Studien zeigten Unterschiede im Darmmikrobiom bei Personen mit und ohne CVD sowie einen schützenden Effekt von Flavonoiden auf das Herzrisiko.
Forscher der Queen’s University und der Universität Kiel analysierten 904 Erwachsene aus der deutschen PopGen-Biobank (57 % Männer). Die Teilnehmer bewerteten ihre Ernährung per Fragebogen, ihr Darmmikrobiom wurde via Bakterien-DNA in Stuhlproben untersucht und der Blutdruck gemessen.
Zusätzlich berücksichtigten die Wissenschaftler Faktoren wie BMI, familiäre CVD-Belastung, Sport und Medikamente. Ergebnis: Höchster Flavonoidverzehr korrelierte mit niedrigerem Blutdruck und höherer Mikrobiom-Vielfalt.
1,6 Portionen Beeren täglich senkten den systolischen Blutdruck um 4,1 mmHg, 2,8 Gläser Rotwein wöchentlich um 3,7 mmHg.
Bis zu 15,2 % der Blutdrucksenkung waren auf die gesteigerte Diversität des Darmmikrobioms zurückzuführen.
„Zukünftige Studien sollten Teilnehmer nach Stoffwechselprofilen stratifizieren, um die Rolle von Mikrobiom und Metabolismus bei Flavonoidwirkungen präziser zu beleuchten“, betont Cassidy.
„Ein besseres Verständnis der individuellen Variabilität im Flavonoidstoffwechsel könnte erklären, warum manche Menschen stärker von flavonoidreichen Lebensmitteln profitieren.“