Patienten mit Typ-2-Diabetes profitieren laut einer neuen Studie maßgeblich von einer künstlichen Bauchspeicheldrüse, die durch einen intelligenten Computeralgorithmus gesteuert wird.
Das System überwacht den Blutzuckerspiegel kontinuierlich und verabreicht automatisch die exakt passende Insulinmenge, um hohe Werte zu senken. Es lernt sogar die individuellen Essgewohnheiten, um Glukosemuster zu erkennen.
Nach 20 Tagen Nutzung wiesen die Patienten stabilere Blutzuckerwerte auf und ein deutlich reduziertes Risiko für Hypoglykämien (Hypos) – schwere Unterzuckerungen mit potenziell gefährlichen Folgen.
Die Studie fokussierte auf Patienten mit Typ-2-Diabetes und Nierenversagen, eine besonders vulnerable Gruppe, wie Dr. Charlotte Boughton vom Wellcome Trust-MRC Institute of Metabolic Science an der University of Cambridge, Leiterin der Forschung, betont.
„Das Management ihres Zustands – der Versuch, gefährliche Blutzuckerhochs oder -tiefs zu vermeiden – ist eine große Herausforderung“, erklärt sie. „Es besteht ein dringender Bedarf an innovativen Lösungen, um ihnen eine sichere und effektive Krankheitskontrolle zu ermöglichen.“
Bei Nierenversagen können die Nieren Abfallstoffe nicht mehr filtern. Manche Patienten erhalten ein Transplantat, andere sind lebenslang auf Dialyse angewiesen.
Neun von zehn Teilnehmern berichteten, dass die künstliche Bauchspeicheldrüse den Behandlungsaufwand reduzierte; 87 Prozent fühlten sich weniger besorgt um ihren Blutzucker.
„Neben längeren Zeiten im optimalen Blutzuckerzielbereich schafft das System echte Sicherheit für die Nutzer“, so leitender Autor Professor Roman Hovorka vom selben Institut. „Sie investieren weniger Zeit in die Therapie und können sich stärker auf ihr Leben konzentrieren.“

In Nature Medicine publiziert, verglich die Studie die künstliche Bauchspeicheldrüse mit der herkömmlichen Insulintherapie, dem Standard bei Diabetes und Nierenversagen.
Diese erfordert präzise manuelle Dosierungen – oft eine Herausforderung. Der adaptive Algorithmus der künstlichen Bauchspeicheldrüse übernimmt diese Aufgabe vollständig.
„Der Algorithmus verarbeitet Echtzeitdaten vom Glukosesensor und steuert die Insulinpumpe, um den Blutzucker stabil zu halten“, erläutert Boughton gegenüber BBC Science Focus. „Er passt sich kontinuierlich an individuelle Glukosemuster und Insulinbedarf an.“
Das System umfasst einen tragbaren Sensor und eine Insulinpumpe, die via Bluetooth mit einer Smartphone-App verbunden sind. Die App analysiert Daten; bei Bedarf signalisiert sie der Pumpe eine Dosisanpassung.
Boughton beruhigt: „Kein WLAN oder Mobilfunk nötig. Ohne Smartphone gibt die Pumpe eine Basisinsulindosis ab – sicher und zuverlässig.“
wann kommt die Therapie in den Klinikalltag? „Wir testen derzeit den Einsatz im Krankenhaus für stationäre Typ-2-Patienten und streben eine NHS-Übernahme an“, sagt Boughton.