Als Arzt in der Palliativmedizin weiß ich: Wie die Geburt ist das Sterben ein natürlicher körperlicher Vorgang mit definierten Phasen und einem erkennbaren Verlauf. Die Geschwindigkeit variiert individuell – manchmal ist medizinische Unterstützung essenziell, um den Prozess so sicher und angenehm wie möglich zu gestalten.
Kurz vor dem Tod verlieren die meisten Menschen das Interesse an Essen und Trinken. Das ist ein normaler Vorgang: Kleine Löffelportionen feiner Genussmomente können willkommen sein, wenn vollständige Mahlzeiten zu viel werden.
Sterbende sind oft extrem erschöpft, ähnlich wie bei schwerer Grippe oder nach einer Operation. Schlaf erholt normalerweise, doch am Lebensende wirkt er zunehmend weniger regenerierend, wenn der Körper sich dem Sterben hingibt.
Sich Sterbende verbringen immer weniger Zeit wach. Was wie tiefer Schlaf wirkt, übergang in eine tiefe Bewusstlosigkeit mit immer längeren Phasen. Beim kurzzeitigen Erwachen berichten sie oft von friedlichem Schlaf ohne Unbehagen.
Bei laufenden Medikamenten gegen Symptome wechseln Sie nun zu nicht-oralen Formen wie Pflastern, Spritzenpumpen oder Zäpfchen. Wichtig: Die Bewusstlosigkeit entsteht durch den Sterbeprozess selbst, nicht primär durch Medikamente.
Was in den letzten Momenten geschieht
Das Herz schlägt schwächer, der Blutdruck sinkt, die Haut kühlt aus, Nägel verfärben sich dunkel. Organe lassen nach, es können Ruhelosigkeit, Verwirrung oder eine sanfte Vertiefung der Bewusstlosigkeit auftreten.
Wir können nicht exakt erforschen, was Sterbende innerlich wahrnehmen. Aktuelle Studien zeigen: Das Gehirn reagiert auch unbewusst auf Raumgeräusche. Ob Musik oder Stimmen trösten, bleibt offen.
Die Atmung erfolgt automatisch durch das Hirnstammzentrum: schwer, geräuschvoll oder gurgelnd, aber schmerzfrei. Sie zyklisiert von tief/schnell zu flach/langsam, mit Pausen, bis sie endgültig erlischt. Minuten später versagt das sauerstoffarme Herz.
Dieses Wissen über den typischen Sterbeverlauf gibt Angehörigen Sicherheit: Sie erkennen Stadien, fürchten seltene Komplikationen weniger und wissen, wann professionelle Hilfe Symptome lindert für ein sicheres Sterben. Schauen Sie den BBC-Kurzfilm zum Sterben an.