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Erhaltene Gehirne aus der Antike: Archäologische Wunder offenbaren Geheimnisse der Vergangenheit

Der menschliche Körper zerfällt nach dem Tod rasch durch Enzyme und Bakterien, die Gewebe abbauen und Organe verflüssigen. Normalerweise verschwinden Weichgewebe innerhalb von fünf bis zehn Jahren, und Archäologen finden nur Knochen. Doch unter seltenen Bedingungen überdauern Gehirne Hunderte oder Tausende Jahre – geschrumpft, wachsartig oder glasig, mit erhaltenen Strukturen wie Hirnstamm, Rillen und sogar Proteinen.

Experten wie Neurologe Dr. Axel Petzold vom University College London, der an der Analyse eines 2.600 Jahre alten Gehirns mitarbeitete, halten es für wahrscheinlich, dass solche Funde häufiger vorkommen, als bisher erkannt. „Mit wachsender Literatur werden mehr Gehirne entdeckt und zeitlich eingeordnet“, erklärt er. Diese Raritäten enthüllen Einblicke in Todesursachen, Krankheiten und Erhaltungsmechanismen.

Ötzi, der Tiroler Eismann

Erhaltene Gehirne aus der Antike: Archäologische Wunder offenbaren Geheimnisse der Vergangenheit

Alter: 5.300 Jahre

Ort: Tiroler Alpen, Österreich

Entdeckt: 1991

Ötzi, entdeckt von Touristen und mit Spezialwerkzeugen aus dem Gletscher geborgen, ist ein Paradebeispiel natürlicher Konservierung. Wissenschaftler rekonstruierten seine letzte Mahlzeit (Steinbock), Kleidung (Leder) und sein Genom. CT-Scans durch Dr. William Murphy von der University of Texas zeigten ein geschrumpftes Gehirn, konserviert durch Adipocere (Leichenwachs) aus Fett- und Wasserreaktionen. Höhere Feuchtigkeit im Schädel förderte dies.

Biopsien offenbarten neuronenähnliche Strukturen, rote Blutkörperchen und über 500 Proteine, passend zu seinem Genom. Stress- und Blutungsproteine deuten auf eine Kopfverletzung hin – eine Alternative zur Pfeilwundentheorie.

Enthaupteter Mann aus Yorkshire

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Alter: 2.600 Jahre

Ort: Yorkshire, Großbritannien

Entdeckt: 2008

Bei Ausgrabungen auf dem Yorker Campus fand man in einer Grube einen enthaupteten Schädel mit rasselndem Inhalt: ein geschrumpftes Gehirn. Scans bestätigten es trotz fehlender Weichgewebe. Das saure Gewebe deutet auf Säureexposition hin. Dr. Petzold extrahierte 800 Proteine und fand Aggregationen durch flexible Nervenproteine – möglicherweise bedingt durch Alexander-Krankheit. Symptome könnten den Mann stigmatisiert und zum Opfer gemacht haben.

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Opfer des Vesuvs

Erhaltene Gehirne aus der Antike: Archäologische Wunder offenbaren Geheimnisse der Vergangenheit

Alter: 1.492 Jahre (79 n. Chr.)

Ort: Kampanien, Italien

Entdeckt: 1960er (Brains berichtet 2020)

Der Vesuvausbruch zerstörte Herculaneum. Ein Opfer lag im Bett, Schädel zersplittert durch Hitze. Pier Paolo Petrone von der Università Federico II fand glasartiges Material darin – verglastes Gehirn durch pyroklastische Hitze und schnelle Abkühlung (Vitrifikation). Erhaltene Strukturen ermöglichen hochauflösende Analysen.

Andenmumien

Erhaltene Gehirne aus der Antike: Archäologische Wunder offenbaren Geheimnisse der Vergangenheit

Alter: 500 Jahre

Ort: Berg Llullaillaco, Argentinien

Entdecket: 1999

Drei Inka-Opferkinder mumifizierten durch Kälte, Trockenheit und Sauerstoffmangel. CT-Scans zeigten geschrumpfte Gehirne mit klarer grauer und weißer Substanz, Blut in Organen. Haftanalysen deuten auf Drogen und Erstickung hin, passend zu inkaischen Ritualen ohne Blutvergießen.

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Brandopfer aus der Bronzezeit

Erhaltene Gehirne aus der Antike: Archäologische Wunder offenbaren Geheimnisse der Vergangenheit

Alter: 4.000 Jahre

Standort: Kütahya, Westtürkei

Entdeckt: 2010

Biologe Meric Altinoz analysierte vier Gehirne aus Seyitömer Höyük: „Bioporcellan“ durch Feuer, Tonmineralien (Kalium, Magnesium, Bor) und Leichenwachs. Bor schützte ähnlich wie bei Pflanzen oder ägyptischer Mumifizierung.

La Pedraja Massengrab

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Alter: 85 Jahre

Ort: Villafranca

Entdeckt: 2010

45 Gehirne in einem Franco-Massengrab: Feuchte Erde und Blutwunden förderten Leichenwachs. Dr. Fernando Serrulla fand Hinweise auf Folter, unterstreicht forensische Relevanz.

  • Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 367 des BBC Science Focus Magazine.