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Venom vs. Realität: Warum irdische Parasiten wie Toxoplasma gondii gruseliger sind

Der Actionfilm Venom aus dem Jahr 2018 erzählt die packende Geschichte des Journalisten Eddie Brock, der von einem außerirdischen Symbioten infiziert wird. Dieser frisst zunächst an seinen Organen, übernimmt seinen Verstand, verleiht ihm übermenschliche Kräfte – und führt letztlich zu ikonischen Szenen wie Tom Hardys Sprung in ein Hummerbecken. Ein unterhaltsamer Blockbuster.

Mit der Fortsetzung Venom: Let There Be Carnage stellt sich die Frage: Wie realistisch ist die Darstellung einer Parasiteninfektion?

„Soweit ich weiß, führen Parasiteninfektionen nicht zum Wachstum großer Zähne oder zum Verlangen, Freunde zu essen“, erklärt Michael White, Professor am College of Public Health der University of South Florida. Dennoch haben sie durchaus beunruhigende Effekte, wie White aus seiner Forschung betont.

White forscht zu Toxoplasma gondii, einem einzelligen Parasiten, der vor allem Katzen und Nagetiere befällt, aber auch Menschen infiziert. Bei Menschen mit intaktem Immunsystem bleibt die Infektion oft unbemerkt und ruht im Gehirn. Besonders alarmierend: Bis zu 30 Prozent der Weltbevölkerung könnten infiziert sein, ohne es zu wissen – und das lebenslang.

„Das wird problematisch bei jedem immungeschwächten Zustand“, warnt White. „Heute sind Sie gesund, aber morgen? Chemotherapie, Organtransplantation oder AIDS – wie in der AIDS-Epidemie, als der Parasit Gehirne zerstörte und Patienten ihre Familien nicht mehr erkannten. Es war entsetzlich.“

Studien deuten darauf hin, dass T. gondii menschliches Verhalten beeinflussen und Persönlichkeitsveränderungen oder Erkrankungen wie Schizophrenie fördern könnte – etwa eine Untersuchung aus 2012. White mahnt jedoch zur Vorsicht: „Ich lehne diese Studien nicht ab, aber endgültige Beweise fehlen. Bei Mäusen können wir Koch-Postulate testen, bei Menschen nicht. Korrelationen, wie mehr Verkehrsunfälle bei Infizierten, sind mit Vorsicht zu genießen.“

Sicher ist: Parasiten wie T. gondii manipulieren Tierverhalten. Forscher bei Hyänen in Afrika stellten fest, dass toxo-positive Jungtiere weniger Angst vor Löwen zeigten. Ähnlich verlieren infizierte Mäuse die Furcht vor Katzenurin – ideal für den Parasitenzyklus.

Venom vs. Realität: Warum irdische Parasiten wie Toxoplasma gondii gruseliger sind

In Venom: Let There Be Carnage entwickelt sich die Beziehung zu einer Symbiose. Realwelt-Präzedenzfälle gibt es: Ein 2014er-Artikel des Canadian Institute for Advanced Research beschreibt, wie der Bandwurm Diphyllobothrium latum das Immunsystem stärken kann. Ein Co-Autor testete es sogar selbst mit drei Würmern.

Bei T. gondii gibt es kein Verhandeln. „Sie sind extrem widerstandsfähig“, sagt White. Der Parasit übersteht 2-prozentige Schwefelsäure und Dichromat – und bleibt in rohem Fleisch erhalten, unserem Hauptinfektionsrisiko. Tatar-Fans aufgepasst!

Vielleicht ist ein Deal mit einem außerirdischen Symbioten doch gar nicht so übel.