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Warum Ihr Gehirn sich selbst 'frisst': Die Rolle der Phagozytose für Flexibilität und Effizienz

Fast alles, was wir tun und wer wir sind, basiert auf den Synapsenverbindungen zwischen den Zellen in unserem Gehirn. Lange Zeit galt das erwachsene Gehirn als weitgehend 'fixiert' und kaum veränderbar.

Moderne neurowissenschaftliche Erkenntnisse widerlegen dies jedoch: Das Gehirn erweist sich als hochgradig plastisch und anpassungsfähig. Dennoch mag die Idee, dass es sich aktiv selbst verzehrt, befremdlich wirken – doch genau das geschieht kontinuierlich.

Phagozytose ist der Prozess, bei dem Zellen andere Zellen oder Moleküle umhüllen und abbauen, um sie aus dem System zu entfernen. Unser Immunsystem nutzt dies, indem weiße Blutkörperchen Krankheitserreger fressen und so unseren Körper schützen.

Im Gehirn läuft Phagozytose permanent ab. Sie dient nicht nur dem Abwehr von Eindringlingen, sondern vor allem der Aufrechterhaltung der Homöostase – des inneren Gleichgewichts.

Das Gehirn ist ein extrem energiehungriges Organ: Es verbraucht schätzungsweise ein Drittel der gesamten Körperenergie, selbst im Ruhezustand. Zahlreiche komplexe Prozesse in und zwischen den Neuronen erzeugen dabei unvermeidbar Abfallprodukte.

Dieser zelluläre 'Müll' muss entfernt werden, um Störungen zu vermeiden – ähnlich wie unentfernte Abfälle in einer Stadt Chaos verursachen würden. Ein wesentlicher Teil der Reinigung erfolgt im Schlaf (eine gängige Theorie zum Schlafunter drückt Phagozytose aus.

Phagozytose dient aber auch der Umstrukturierung: In der Pubertät wird durch 'Pruning' ungenutzte Synapsen aus Kindertagen eliminiert. Die freigesetzten Ressourcen werden für effizientere Verbindungen genutzt, was das Gehirn auf das Erwachsenenleben vorbereitet – durch Selbstverzehr.

Unser Gehirn ist dynamisch, anpassungsfähig und reagiert auf Lebensherausforderungen. Diese Plastizität beruht maßgeblich auf der Fähigkeit, Teile sich selbst 'zu essen' und so zu optimieren.