Im Vereinigten Königreich leben rund 1,2 Millionen Menschen mit Long COVID – einer Erkrankung, bei der Symptome wie Atemnot oder Geruchsverlust Wochen bis über ein Jahr nach der COVID-19-Infektion anhalten.
Viele Symptome sind bekannt: 39 Prozent der Betroffenen leiden unter Atemnot, möglicherweise durch Lungen-Schäden des Virus. Ein Drittel klagt weiterhin über Geruchsverlust, ein typisches Merkmal akuter Infektionen.
Am häufigsten jedoch tritt extreme Müdigkeit auf – ein Symptom, das Parallelen zum chronischen Erschöpfungssyndrom (CFS), auch myalgische Enzephalomyalgie (ME) genannt, aufweist. ME/CFS verursacht anhaltende Erschöpfung nach Belastung, Schlafstörungen, Schmerzen und kognitiven Beeinträchtigungen (Gehirnnebel). Oft folgt es viralen Infektionen, deren genaue Ursache jedoch ungeklärt ist.
Bisher war unklar, ob ME/CFS ein Bestandteil von Long COVID ist. Forscher der Icahn School of Medicine am Mount Sinai in New York untersuchten nun 41 Long-COVID-Patienten anhand etablierter ME/CFS-Kriterien.
46 Prozent erfüllten vier oder mehr Kriterien und berichteten von massiven Einschränkungen durch Erschöpfung. Weitere 13 Prozent qualifizierten sich, wurden aber wegen hohem BMI oder Herzproblemen ausgeschlossen.
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Das Team führte kardiopulmonale Belastungstests durch: Patienten radelten auf einem Ergometer bis zur Erschöpfung, mit Steigerung um 25 Watt alle drei Minuten.
Nahezu alle (36 von 41) zeigten abnorme Atmungsmuster – schnelle, flache Atemzüge ähnlich Asthma – und viele chronische Hyperventilation post-belastungsbedingt.
„Viele Patienten klagen über Kurzatmigkeit. Der Belastungstest hilft, Ursachen zu identifizieren“, erklärt Dr. Donna Mancini, Kardiologie-Professorin und Leitautorin. „Hyperventilation könnte bei einer Untergruppe vorliegen und mit Atemübungen behandelbar sein.“
Mancini vermutet mehrere Long-COVID-Untergruppen, darunter ME/CFS-ähnliche Fälle.
Diese Hypothese teilt Dr. David Strain von Action for ME: „Die Studie ist vielversprechend, testet aber nicht das post-exertionale Malaise durch wiederholte Tests an zwei Tagen – ein Kernkriterium von ME.“
„Eine Long-COVID-Untergruppe könnte virales ME/CFS haben. Besserer Einblick fördert gezielte Therapien“, betont Strain.