Antibiotikaresistenz zählt zu den größten Gesundheitsbedrohungen unserer Zeit. Forscher des University College London (UCL) und des Great Ormond Street Hospital haben nun eine Methode entwickelt, um zukünftige Resistenzen bei Bakterien vorherzusagen. Dies ermöglicht Ärzten, gezielte und wirksame Therapien gegen Infektionen auszuwählen.
Tuberkulose, eine bakterielle Lungeninfektion, hat in den letzten 200 Jahren schätzungsweise über eine Milliarde Menschenleben gefordert und bleibt eine der tödlichsten Erkrankungen weltweit. Im Jahr 2020 war sie nach COVID-19 die zweithäufigste infektiöse Todesursache mit 1,5 Millionen Opfern.
Mit geeigneten Antibiotika ist Tuberkulose heilbar, doch die Therapie kann monatelang dauern und viele Betroffene haben keinen Zugang zu adäquater Versorgung. Resistente Formen entstehen oft durch unvollständige Behandlungen oder fehlende wirksame Medikamente.
Mehrfachresistente Tuberkulose belastet Gesundheitssysteme enorm, in wenigen Ländern gibt es sogar vollständig resistente Stämme. Angesichts der Pandemie stagnieren Fortschritte in der Tuberkulose-Bekämpfung.
In einer bahnbrechenden Studie zeigen UCL-Wissenschaftler, wie resistentmachende Mutationen verhindert werden können, bevor sie entstehen. Sie prägen dafür den Begriff „Vorresistenz“: ein erhöhtes inhärentes Risiko des Erregers, Resistenzen zu entwickeln.
Zusammen mit dem Peruvian Tuberculosis Programme sequenzierten die Experten die Genome von 3.135 Tuberkulose-Proben aus 17 Jahren in Lima, Peru. Sie erstellten einen Stammbaum, identifizierten resistenzverursachende genetische Veränderungen und prognostizierten resistentere Zweige. Die Ergebnisse wurden in einem globalen Datensatz validiert.
„Die Antibiotika-Optionen schwinden, und viele sind toxisch – wir müssen intelligenter vorgehen, um Resistenzen zu stoppen“, betont Dr. Louis Grandjean, leitender Autor. „Das ist der erste Beweis, dass wir Resistenzen antizipieren können. Bald nutzen wir Pathogen-Genome für optimale Therapien.“