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Weniger Sex durch Zeitmangel – nicht durch Social Media: Was seriöse Studien belegen

Laut einer Studie aus November 2021 haben Erwachsene und Jugendliche in den USA weniger Sex als frühere Generationen. Häufig werden Smartphones und Social Media als Ursache genannt – doch ist das zutreffend? Als Expertin für sexuelle Gesundheitsforschung beleuchten wir die Fakten.

Die Erkenntnisse stammen aus der National Survey of Sexual Health and Behavior (NSSHB), die Antworten von über 8.500 Personen aus den Jahren 2009 und 2018 vergleicht.

Ähnliche Ergebnisse liefert die britische National Surveys of Sexual Attitudes and Lifestyles (Natsal), die seit über drei Jahrzehnten Daten zur sexuellen Erfahrung der Bevölkerung sammelt.

Natsal zeigt: Die durchschnittliche Sexhäufigkeit pro Woche sinkt stetig. 1991 waren es fünfmal im Monat, 2001 viermal, 2012 dreimal. Die nächste Umfrage wurde durch COVID-19 verschoben, soll aber 2022/23 folgen.

Auf die Frage, ob Briten weniger Sex haben, antwortet Soazig Clifton, akademische Direktorin von Natsal am University College London und NatCen Social Research: „Ein klares Ja.“ Der Trend ist international: Vergleichbare Studien aus aller Welt bestätigen den Rückgang.

In Deutschland zeigten Untersuchungen von 2005 bis 2016 einen ähnlichen Abfall, möglicherweise durch weniger Zusammenleben mit Partnern. Doch selbst bei Paaren sank die Aktivität, wie Natsal-Daten belegen.

Beide Studien differenzieren nach Altersgruppen: Jugendliche und Erwachsene haben weniger Sex. Besonders auffällig bei US-Teenagern: 2009 hatten 79 % der 14- bis 17-Jährigen im Vorjahr keinen heterosexuellen Sex, 2018 waren es 89 %.

Warum hat die Jugend weniger Sex?

Manche vermuten Social Media und Videospiele. Clifton warnt: Beobachtungsstudien wie Natsal und NSSHB erklären keine Ursachen kausal.

„Theoretisch plausibel: Statt Sex mit dem Partner virtuell zu connecten“, sagt sie. Doch heute sprechen Menschen offener über fehlenden Sex – Reporting-Bias nimmt ab, was den Trend verstärkt, reicht aber nicht allein zur Erklärung.

Kleinere Natsal-Arbeiten nennen Überlastung: Frauen mittleren Alters fühlen sich zu erschöpft durch Alltagspflichten.

Weniger Sex durch Zeitmangel – nicht durch Social Media: Was seriöse Studien belegen

Falls Zeitmangel schuld ist: Was tat der Lockdown? Natsal-COVID-Daten zeigen Nuancen: Bei Zusammenlebenden blieb die Häufigkeit stabil, Zufriedenheit meist gleich.

„Nicht alle hatten mehr Sex trotz Homeoffice“, betont Clifton. Alleinlebende und Jugendliche berichteten hingegen von Rückgängen in Häufigkeit und Zufriedenheit.

Schlüssel ist Zufriedenheit, nicht Quantität. Viele überschätzen Fremdesexualleben – Normalwerte helfen, sich wohler zu fühlen.

Warum zählt sexuelle Häufigkeit?

„Sie spiegelt gesellschaftliche Gesundheit wider“, erklärt Clifton. Für viele ist Sex zentral; Studien wie Natsal erfassen auch STIs, Missbrauch und Reproduktives.

In Ländern mit sinkenden Geburtenraten ist das Puzzle-Teil essenziell. In GB wollen manche mehr Sex, doch die meisten ohne sind zufrieden. Für Paare zählt Qualität: 25 % haben unterschiedliches Interesse – Medienmythen täuschen.

Verständnis von Durchschnittswerten (z. B. dreimal monatlich) mindert Druck und fördert Glück.