Die Psychologin Prof. Elizabeth Austin von der University of Edinburgh beschreibt emotionale Manipulation als die dunkle Seite der emotionalen Intelligenz.
Aber was genau bedeutet das? Austin und ihre Kollegen entwickelten 2007 die Emotional Manipulation Scale. Personen mit hohen Werten stimmen Aussagen zu, die offensichtlich negative Konsequenzen haben, wie „z. B. auf besondere Weise“ oder „Ich weiß, wie man zwei Leute gegeneinander ausspielt“.
Auch weniger offensichtliche Verhaltensweisen tragen zu hohen Punktzahlen bei, etwa die Zustimmung zu „Ich kann jemandem Komplimente machen, um in seine guten Bücher zu kommen“ oder „Ich bin gut darin, Menschen zu beruhigen, damit sie eher mitmachen, was ich sage“. Die Forscher stellten fest: Je höher die Werte auf dieser Skala, desto stärker der Machiavellismus – eine Persönlichkeitsmerkmal, das durch Gefühllosigkeit, moralische Gleichgültigkeit und Manipulativität geprägt ist.
Manipulation pauschal als rein negativ und nur von „schlechten“ Menschen begangen abzutun, wäre jedoch irreführend. Oft wollen Menschen soziale Situationen so gestalten, dass sie für alle vorteilhaft sind. Eigeninteressen können mit denen anderer übereinstimmen und prosoziales Verhalten fördern. Beispielsweise mache ich manchmal etwas, damit sich andere wohlfühlen – weil ich dadurch selbst glücklicher werde. Eine echte Win-Win-Situation.
Diese Nuancen zeigten Austin und Team 2013, als sie von der ursprünglichen Skala abrückten und die Managing the Emotions of Others Scale schufen.
Der Begriffswechsel von „Manipulation“ zu „Management“ verändert die Perspektive auf solches Verhalten grundlegend. Die 2018 veröffentlichte Kurzversion unterteilt emotionale Beeinflussung in fünf Typen: Die ersten beiden sind meist prosozial, die dritten und vierten nicht, die fünfte neutral.
- Verbesserung: Strategisch Hilfe, Bestätigung oder Verständnis bieten, um die Stimmung positiv zu beeinflussen.
- Umleitung: Positivität oder Humor einsetzen, um die Laune aufzuhellen.
- Verschlechterung: Kritik, negative Kommentare, Vertrauensuntergrabung oder Wut nutzen, um Vorteile zu erlangen.
- Nicht authentisch sein: Schmeichelei, Schmollen oder Schuldgefühle wecken, um Ziele zu erreichen.
- Verbergen: Wahre Gefühle kaschieren, insbesondere negative Emotionen.
Dieses Konzept verdeutlicht: Das Beeinflussen von Emotionen ist zentral für menschliche Interaktionen. Viele von uns tun dies täglich.
Können manche es besser als andere? Eine 2020 von Nguyen Ngoc und Kollegen veröffentlichte Meta-Analyse mit 5.687 Teilnehmern ergab: Höhere emotionale Intelligenz geht mit besseren Fähigkeiten in der emotionalen Manipulation einher.
Das Lesen von Stimmungen und Bedürfnissen ist hier entscheidend. Entscheidend ist jedoch die Motivation: „Emotionale Manipulationsfähigkeiten können genutzt werden, um zu helfen oder zu schaden“, betonen die Autoren.
Indem wir unsere manipulative Natur anerkennen, erkennen wir Manipulation schneller – und können unsere Motive besser kontrollieren.
- Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 371 des BBC Science Focus Magazine.