Die BBC-Two-Sendung Your Body Uncovered with Kate Garraway demonstriert eindrucksvoll, wie Augmented Reality (AR) Arzttermine revolutionieren könnte. Doch wie nah sind wir wirklich am Einsatz dieser Technologie in deutschen Krankenhäusern?
In der Show arbeiten Ärzte und Radiologen mit Digitalkünstlern zusammen, um präzise 3D-Modelle von Patientenkörpern zu erstellen. Patienten tragen eine Microsoft HoloLens und können so ihre Gliedmaßen und Organe visualisieren, während der Arzt detailliert erklärt, wie der Zustand entstanden ist und welche Auswirkungen er hat.
Viele kennen AR aus Apps wie Pokémon Go, wo virtuelle Pokémon über die Smartphone-Kamera in die reale Welt integriert werden. Während AR und Virtual Reality zentrale Elemente des Metaversums sind, fehlen bislang innovative medizinische Anwendungen im TV.
Dr. Stephen Quinn, Gynäkologe am Imperial College Healthcare NHS Trust, hilft in der Sendung der Patientin Hilda bei einer Erkrankung, die ihren Bauch anschwellen lässt. Durch detaillierte Scans zeigt das Team ihr die Myome – gutartige Wucherungen –, die für die Schmerzen verantwortlich sind.
„Ich habe einen Großteil meiner Karriere mit MRT-Scans des Beckens verbracht, und diese Bilder sind in der Klinik extrem hilfreich“, erklärt Quinn. „AR hebt das auf ein neues Level. Es war fantastisch, vor der Operation genau zu visualisieren, was im Becken vor sich geht.“
Die Technologie ist noch nicht NHS-weit verfügbar, doch Quinn prognostiziert: Innerhalb des nächsten Jahrzehnts könnte AR zum Standard werden.
So funktioniert Augmented Reality in der Medizin
Für die Sendung lieferten Radiologen des Imperial College Tiefenscans. Dr. Dimitri Amiras, leitender Radiologe für den Bewegungsapparat, war maßgeblich beteiligt.
Patienten unterziehen sich zunächst Routine-Scans.
„Radiologen definieren Organe und Pathologien, identifizieren gesundes und krankes Gewebe mithilfe moderner Bildgebung“, betont Amiras.
„Anschließend modellieren Digitalkünstler oder KI die 3D-Darstellungen.“
Patienten und Ärzte tragen AR-Brillen, um interaktive 3D-Modelle zu betrachten: vergrößern, drehen, mit gesunden Strukturen vergleichen.

„Viele kennen den Beruf des Radiologen nicht“, sagt Amiras. „Es ist faszinierend, das Innere von Menschen zu analysieren. Mehr TV-Berichte wie dieser wecken Interesse – dies ist die erste Sendung, die Bildgebung ins Zentrum stellt.“
Wann wird AR im Hausarztalltag Realität?
Quinn sieht den Einsatz in 5 bis 10 Jahren: „AR ist verfügbar, entwickelt sich rasant. Bald nutzen Smartphones und AR-Brillen wie Google Glass das intensiv.“
Die Erstellung der Modelle ist jedoch zeitaufwendig, nicht die Hardware.

Universitäten bilden damit Studenten aus: „Wir nutzen AR für chirurgische Simulationen ohne Patientenrisiko“, erklärt Amiras. In Brustrekonstruktionen und CT-Biopsien-Training ersetzt es teure Scanner und Strahlung.

„Nicht für jede Erkrankung geeignet“, warnt Amiras. „Manche Patienten bevorzugen Erklärungen statt 3D.“
Quinn ergänzt: „Neun von zehn Patienten sind fasziniert, eine von zehn lehnt ab. Wichtig: Informed Consent bleibt essenziell. Die Mehrheit will maximale Information.“
Wie sehe ich meinen Körper in AR?
Für die Sendung wurde AR speziell erstellt, doch das Visible Human Project bietet 3D-Modelle öffentlich.
„Basierend auf Scans eines gespendeten Körpers – inklusive Histologie.“
- Schauen Sie Your Body Uncovered with Kate Garraway auf BBC iPlayer.