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Geschädigte Gehirnnetzwerke erklären Verwirrtheit bei Demenz: Erkenntnisse aus Cambridge und Oxford

Die Ursache für die Verwirrung, die Demenzpatienten bei unerwarteten Veränderungen erleben, liegt in einem spezifischen Gehirnnetzwerk. Neue Forschungsergebnisse aus Cambridge und Oxford erweitern unser Verständnis dieser neuronalen Verbindungen und helfen Betroffenen sowie Angehörigen, herausfordernde Situationen besser zu meistern.

Eine Studie von Experten der Universitäten Cambridge und Oxford analysiert Daten eines Jahrzehnts und beleuchtet, wie Gehirnveränderungen bei Demenzpatienten – einschließlich Alzheimer – ihre Reaktionen auf neue Szenarien beeinflussen.

Dafür nutzten die Forscher Magnetoenzephalographie (MEG), die das Gehirn 1.000 Mal pro Sekunde scannt. So konnten sie präzise vergleichen, wie ein gesundes Gehirn auf ein unerwartetes Ereignis reagiert, im Kontrast zu Demenzpatienten.

„Dieser Test wird als Mismatch-Negativity bezeichnet: Die Probanden werden in den Scanner gelegt, hören wiederholt denselben Piepton als akustischen Stimulus und dann gelegentlich eine Variation“, erklärt Dr. Thomas E. Cope, Mitautor der Studie von der MRC Cognition and Brain Sciences Unit und dem Department of Clinical Neurosciences an der University of Cambridge. „Das Gehirn reagiert automatisch auf die Änderung.“

Die Variation konnte eine andere Tonhöhe oder ein neuer Rhythmus sein. Die Reaktion im Gehirn entspricht realen Überraschungen, wie einem abrupten Themenwechsel im Gespräch oder verrückten Möbeln.

In einem gesunden Gehirn erfolgt die Reaktion in zwei Phasen: Zuerst nimmt das auditorische System den Ton wahr, dann erkennt ein anderes Areal den Unterschied. „Das Gehirn signalisiert: ‚Achten Sie darauf, denken Sie nach und handeln Sie‘“, beschreibt Cope.

Bei Demenzpatienten fehlt jedoch die zweite Phase. Das Gehirn registriert die Veränderung nicht und gibt keine Handlungsanweisung – ein möglicher Grund für ihre Schwierigkeiten bei Unerwartetem.

„In vertrauter häuslicher Umgebung funktionieren Alzheimer-Patienten gut. Aber eine kleine Änderung, wie ein defekter Wasserkocher, überfordert sie“, sagt Cope.

Mittels MEG und MRT-Scans lokalisierten die Forscher die betroffene zweite Phase im Multiple-Demand-Netzwerk (MDN).

„Diese Bereiche sind bei Menschen deutlich größer als bei Tieren wie Hunden oder Ratten – sie repräsentieren unsere ‚denkenden‘ Intelligenznetzwerke“, erläutert Cope.

Das MDN ist auch bei Schizophrenie betroffen: „Bei Demenz schrumpfen die Regionen, bei Schizophrenie sind die Verbindungen gestört. Beide Gruppen zeigen ähnliche Defizite bei Veränderungen.“

Geschädigte Gehirnnetzwerke erklären Verwirrtheit bei Demenz: Erkenntnisse aus Cambridge und Oxford

Obwohl keine Therapie das MDN repariert, fördern die Ergebnisse Verständnis und Strategien. „Ich rate Patienten und Angehörigen: Erwarten Sie Schwierigkeiten bei Veränderungen“, rät Cope. „Signalisiert sie klar – z. B. bei Themenwechseln – und leiten Sie zu Bekanntem um.“

„Beim defekten Wasserkocher: ‚Lass uns Toast machen, der Toaster funktioniert.‘ So greifen Sie auf geübte Routinen zurück.“