Schlafstörungen zu erkennen, fällt oft schwer. Guter Schlaf verläuft unbemerkt, während andere Gesundheitsmaßnahmen wie Sport, gesunde Ernährung oder Zahnseide bewusste Anstrengung erfordern. Schlaf wirkt wie ein Nicht-Ereignis und rutscht in der Selbstfürsorge leicht in den Hintergrund – als optionale Wohltat wie eine Massage, statt als essenzieller Bestandteil des Lebens wie Sauerstoff.
COVID-19 hat dies grundlegend verändert. Im Februar 2020 legte die Welt sich schlafen, doch bis heute wacht sie unruhig auf. Nehmen Sie den Schlaf weg, und plötzlich spürt man jede Störung.
Während der Pandemie stiegen die Schlaflosigkeitsraten weltweit an. Als Mitautorin einer Studie mit 22.330 Erwachsenen aus 13 Ländern, die ihre Schlafgewohnheiten vor und während COVID-19 verglichen, konnte ich das hautnah miterleben. Die Ergebnisse, veröffentlicht in Sleep Medicine im November 2021, sind alarmierend.
In den frühen Pandemiephasen zeigten 36,7 Prozent der Befragten klinische Schlaflosigkeitssymptome, 17,4 Prozent erfüllten die Kriterien einer Störung – doppelt so hoch wie vor der Krise. Weltweit zunahmen Schlafprobleme, am stärksten in Brasilien, Großbritannien, Kanada, den USA, Polen und Norwegen. Eine weitere Studie in The Lancet bestätigt: Gesundheitsfachkräfte litten doppelt so häufig wie die Allgemeinbevölkerung.
Stressfaktoren wie wirtschaftliche Unsicherheit, Kinderbetreuungsprobleme, Isolation und die Krankheit selbst trieben dies an.
Die Schlafkrise verschärfte die psychische Gesundheitskrise: Regelmäßig schlecht Schlafende haben doppelt so häufig psychische Störungen. In unserer Studie berichteten 25,6 Prozent von Angststörungen und 23,1 Prozent von Depressionen – deutlich höher als prä-pandemisch.

Unserer Studie widmete sich vor allem dem Zusammenhang mit der Psyche, doch Schlafstörungen schaden auch körperlich: Sie erhöhen das Risiko für Herzkrankheiten und Schlaganfälle. Ein Teufelskreis entsteht: Schlafprobleme fördern Erkrankungen, diese wiederum Schlafstörungen.
Schlafmangel war schon vor der Pandemie tabuisiert – oft als Lifehack oder Tugend gefeiert. Ähnlich wie Tabak früher glamourös war oder Bewegung unwichtig galt, bis die Wissenschaft aufklärte. Bis 1994 gab es in US-Kliniken Raucherbereiche.
Die Pandemie hat global gezeigt, was Schlafmangel anrichtet: Nicht nur Müdigkeit, sondern mehr Depressionen und Ängste. Doch unsere Studie birgt Hoffnung: Guter Schlaf ist eine wirksame Medizin für Geist und Körper – für Individuen wie für die öffentliche Gesundheit.