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Dr. Michael Mosley: Paare teilen mehr als gedacht – sogar ihr Hautmikrobiom

Ich kenne meine Frau Clare seit unserem ersten Jahr an der medizinischen Fakultät – das ist über 40 Jahre her. In dieser Zeit haben wir ein fast telepathisches Verständnis für die Stimmungen und Gedanken des anderen entwickelt. Das klingt vielleicht alltäglich, ist aber eine tiefe, verbindende Erfahrung.

Das hat mich neugierig gemacht: Inwiefern werden wir uns sonst noch ähnlicher? Zahlreiche Studien zeigen, dass Langzeitpaare sich ähneln. Doch liegt das an der anfänglichen Ähnlichkeit oder entsteht sie erst mit der Zeit – durch gemeinsame Ernährung, Lebensstil oder Gewohnheiten?

Forscher der Stanford University in den USA analysierten Fotos von 517 Paaren kurz nach der Hochzeit und Jahrzehnte später. Mit KI-Gesichtserkennung und menschlichen Beurteilern stellten sie fest: Paare sehen sich ähnlich, werden aber nicht ähnlicher. Die Studie bestätigt: Wir wählen Partner, die uns optisch ähneln.

„Das passt zum Erscheinungsbild des Gesichts und anderen Merkmalen wie Interessen, Persönlichkeit, Intelligenz, Einstellungen, Werten und Wohlbefinden, die anfangs ähnlich sind, aber nicht konvergieren“, schrieben die Wissenschaftler.

Beim Hautmikrobiom sieht es anders aus: Eine Studie in mSystems zeigte, dass Zusammenleben die Mikroben auf der Haut stark beeinflusst. Proben von Augenlidern, Nasenlöchern, Achseln, Oberkörper, Rücken, Nabel und Händen von Paaren wurden untersucht.

Algorithmen erkannten zusammenlebende Paare anhand ihres Hautmikrobioms zu 86 Prozent genau. Am ähnlichsten waren die Füße – kein Wunder, wenn man barfuß zu Hause läuft.

Trotz Ähnlichkeiten dominiert das Geschlecht an manchen Stellen: Mikroben an der Oberschenkelinnenseite sind geschlechtsspezifisch ähnlicher als bei Partnern. Algorithmen unterschieden Männer und Frauen hier zu 100 Prozent.

  • Dieser Artikel erschien zuerst in Ausgabe 375 des BBC Science Focus Magazine.