Forscher aus über einem Dutzend Nationen starten die umfangreichste und komplexeste Expedition in der zentralen Arktis: Eine einjährige Reise durch das Eis, die wissenschaftliche Modelle zum Klimawandel revolutionieren soll.
Bei dieser 122 Millionen Pfund teuren Mission arbeiten 600 Wissenschaftler aus 19 Ländern – darunter Großbritannien, Deutschland, USA, Frankreich, Russland und China – in einer der unwirtlichsten Regionen der Erde zusammen.
Markus Rex vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung in Deutschland, Leiter der Expedition, betont: „Die Arktis ist das Epizentrum des globalen Klimawandels. Gleichzeitig ist sie die Region des Planeten, in der wir das Klimasystem am wenigsten verstehen.“
Der deutsche Eisbrecher RV Polarstern, vollgepackt mit High-Tech-Ausrüstung, verlässt den Hafen von Tromsø in Nordnorwegen in Begleitung eines russischen Schiffs. Ziel: Eine große Eisscholle finden, um dort anzukern und eine Basis zu errichten.
Wenn die Tage kürzer werden und das Meer zufriert, driftet die Polarstern langsam Richtung Nordpol. Rotierende Teams von je 100 Wissenschaftlern forschen zwei Monate lang auf dem Eis.
Meereisphysikerin Stefanie Arndt, die im Februar einsteigt, hebt den einzigartigen Vorteil hervor: „Wir beobachten Prozesse über einen vollen Jahreszyklus – besonders den Übergang vom Winter zum Frühling, wenn das Eis sonst zu dick für Schiffe ist.“
Die genaue Erfassung von Dichte, Größe und Art des Schnees hilft, Energieflüsse besser zu verstehen: „Wie viel Licht reflektiert der Schnee, wie viel absorbiert er und wie viel erreicht den Ozean? Das beeinflusst das gesamte Ökosystem“, erklärt Arndt.
Lichtenergie steuert Algenwachstum und Meerestemperaturen, die wiederum das Schmelzen des Meereises von unten bestimmen. Solche Prozesse sind essenziell für präzise Klimamodelle zur Wetter- und Klimavorhersage.
Störungen im arktischen Frost-Tau-Zyklus wirken sich global aus – etwa durch veränderte Jetstreams, die Kältewellen nach Europa und in die USA bringen oder warme Winde nordwärts lenken.
Mitten in globalen Klimaprotesten und vor dem UN-Klimagipfel in New York startet diese wegweisende Expedition.