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Können Billionen Bäume den Klimawandel stoppen? Expertenanalyse der ETH-Studie

Eine Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich (ETH) schlägt vor, dass das Pflanzen von mindestens einer Billion Bäumen weltweit zwei Drittel des durch menschliche Aktivitäten emittierten Kohlenstoffs binden könnte.

Wir sprechen mit Bob Ward, Policy and Communications Director am renommierten Grantham Research Institute on Climate Change and the Environment der London School of Economics.

Warum sind Bäume essenziell für unsere Atmosphäre?

Bäume sind unverzichtbar, da sie wie alle Pflanzen CO₂ aus der Luft aufnehmen und Sauerstoff abgeben. Die steigende Konzentration von CO₂ und anderen Treibhausgasen ist unser zentrales Problem – Bäume spielen hier eine Schlüsselrolle.

Der massive Verlust von Wäldern in den letzten Jahrzehnten und Jahrhunderten hat das Problem massiv verschärft. Neue Aufforstungen sind daher ein wichtiger Baustein der Lösung. Wir müssen die Zerstörung bestehender Wälder stoppen. Die Kernbotschaft: Aufforstung ist ein wertvoller Beitrag zur Bekämpfung der globalen Erwärmung – doch wir dürfen uns nicht täuschen. Es ist kein Freifahrtschein. Die CO₂-Emissionen müssen radikal gesenkt werden. Weiter so zu machen und nur Bäume zu pflanzen, reicht nicht.

Welchen Einfluss hatten menschliche Aktivitäten auf den CO₂-Gehalt?

Vor der Industrialisierung lag die CO₂-Konzentration bei etwa 280 ppm (Teilen pro Million). Heute überschreitet sie 410 ppm.

Wie bestimmen wir diese Werte?

Die Analyse der Isotope im CO₂ ist der Schlüssel. Der Anstieg stammt eindeutig aus der Verbrennung fossiler Brennstoffe, da deren Isotopenzusammensetzung einzigartig ist. Natürliches CO₂ unterscheidet sich klar davon. Vulkanische Emissionen oder andere Quellen können den beobachteten Anstieg nicht erklären.

Den vorindustriellen Wert messen wir durch Eisbohrkerne aus der Antarktis und Grönland. Diese eingeschlossenen Luftblasen offenbaren die damaligen Konzentrationen: rund 280 ppm.

Die ETH-Studie schätzt verfügbare Flächen, indem sie CO₂-Aufnahmekapazitäten pro Baum multipliziert – ist das nicht zu vereinfacht?

Ja, die Annahmen sind zu simpel und führen zu ungenauen Prognosen. Die Studie ignoriert, dass CO₂ nicht nur in der Atmosphäre, sondern auch in Ozeanen und Böden gespeichert wird – im dynamischen Gleichgewicht.

Bei Emissionen durch Fossilien verteilt sich CO₂: ein Teil in die Luft, ein Teil in Meere und Böden. Beim Aufforsten strömt CO₂ aus diesen Reservoirs zurück. Die Studie zählt nur atmosphärisches CO₂ und übersieht den Rest, weshalb sie nur zwei Drittel der Emissionen kompensieren könnte.

Was ist mit den identifizierten Flächen?

Viele vorgeschlagene Areale eignen sich nicht für Wälder, etwa wegen ungeeigneter Böden. In Nordkanada und Sibirien könnte Aufforstung paradoxerweise die Erwärmung verstärken – durch den Albedo-Effekt.

Weiße Flächen wie Schnee reflektieren Sonnenlicht und kühlen. Dunkle Bäume absorbieren es und heizen auf. Das könnte den Klimawandel dort verschärfen.