Fliegen steht derzeit stark im Fokus der Medien – nicht wegen Verspätungen oder Streiks, sondern wegen des massiven CO₂-Fußabdrucks der Luftfahrt.
Prominente wie Prinz Harry und Meghan Markle nutzen Privatjets, Sir Elton John kompensiert Emissionen für "klimaneutrale" Flüge. Umweltschützer wie Greta Thunberg verzichten dagegen komplett aufs Fliegen. Doch ist die Luftfahrt wirklich ein so großes Problem?
Ja, leider. Die Branche verbraucht täglich fünf Millionen Barrel Öl und trägt 2,5 Prozent zu globalen CO₂-Emissionen bei – vergleichbar mit Deutschlands Gesamtausstoß. Rund zwei Drittel der Flüge dienen Urlaubszwecken (z. B. im Vereinigten Königreich), und nur 15 Prozent der Passagiere absolvieren 70 Prozent der Flüge.
Die Luftfahrt boomt: Dank steigendem Wohlstand und günstiger Tickets – unterstützt durch steuerfreies Kerosin – haben sich Passagierzahlen in 20 Jahren verdoppelt. Laut IATA soll die Zahl von vier auf 8,2 Milliarden Reisen pro Jahr bis 2037 steigen. Bis 2050 könnte der Sektor 22 Prozent aller Emissionen ausmachen und andere Branchen wie Landwirtschaft oder Energie belasten.
Unter Druck hat die ICAO das CORSIA-Programm entwickelt: Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation. Es setzt auf Wachstum mit "klimaneutralem" Zuwachs ab 2020 durch Effizienzsteigerungen und Offsets. Kritiker sehen Widersprüche; volle Wirksamkeit erst 2027.
Klimaneutral fliegen?
Viele kompensieren privat: Ein Flug wird durch Projekte ausgeglichen, die gleich viel CO₂ binden, z. B. Aufforstung. Sir Elton John zahlte für das Paar. Doch das ist zu schön, um wahr zu sein: Emissionen entstehen sofort, Bäume binden erst Jahre später CO₂. Ein EU-Bericht zeigt: 85 Prozent der Projekte erreichen keine versprochene Reduktion. Zuverlässiger sind industrielle Offsets wie Methanfang aus Deponien statt Baum-Pflanzaktionen.
Auf Branchenebene wirken Offsets wie Verantwortungsvermeidung. Besser als Wohltätigkeit denn als wissenschaftliche Lösung sehen.
Persönliche Verantwortung
Kritiker fordern Nachfragereduktion via CO₂-Steuer oder Vielfliegerabgabe. Politiker zögern trotz Potenzials für Einnahmen und Alternativen. Weniger fliegen reduziert den Fußabdruck am besten – wie ich erfahre. Seit 2019 fliege ich nicht mehr, reise per Zug (z. B. Southampton nach China: 2 Wochen, nur 10 Prozent Emissionen eines Flugs) und mache Urlaub anders. Solche Schritte summieren sich und drängen Politiker zu Regulierungen statt bloßer Offsets.