Immer wieder sind Extremwetterereignisse wie Überschwemmungen, Dürren, Hitzewellen oder arktische Kälteperioden auf den Jetstream zurückzuführen. Warum hören wir nicht einfach damit auf – wäre das wirklich so schlimm? Als Meteorologen und Klimaforscher mit jahrelanger Expertise erklären wir, welche katastrophalen Konsequenzen ein Ausfall des Jetstreams hätte.
Zuerst klären wir einen gängigen Irrtum: Der Golfstrom ist ein warmer Ozeanstrom aus der Karibik, der entlang der US-Küste nach Norden fließt. Obwohl er oft für milde europäische Winter verantwortlich gemacht wird, löst er sich bereits im Mittelatlantik in Wirbeln auf, bevor er Europa erreicht.
Hier geht es um den Jetstream: einen starken Luftstrom in 10 Kilometern Höhe, der die Erde umkreist. Er sorgt für Rückenwind bei Flugzeugen, die seiner Bahn folgen – ein einfaches Merkmal zur Unterscheidung vom Golfstrom.
Ohne Jetstream würden wir weniger stürmische Tiefdrucksysteme erleben, die durch ihn vom Atlantik nach Europa getrieben werden. Statt einer "Zyklonautobahn" gäbe es isolierte Stürme, keine anhaltenden Angriffe auf Küstenregionen.
Allerdings verlören wir auch die milden Südwestwinde, die Europa im Winter warme Luft und im Sommer kühle Meeresluft bringen. Der Jetstream balanciert unser west-europäisches Klima: warm im Winter, kühl im Sommer. Sein Ausfall würde das zerstören.
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In Nordamerika sind die Effekte des Jetstreams weniger vorteilhaft: Seine Mäander bringen polare Kälte in Kanada und den Nordosten der USA. Dort würde man den Jetstream vielleicht sogar vermissen.
Die Entscheidung, ihn abzuschalten, erfordert internationale Diplomatie, da Länder unterschiedlich betroffen wären.
Der Jetstream hängt eng mit globalen Temperaturgradienten zusammen: Er folgt der Grenze zwischen subtropischer Wärme im Süden und polare Kälte im Norden. Verschiebungen verursachen Extreme – nördlich davon ist es warm, südlich kalt.
Ohne Jetstream würde die Abkühlung der Luft über Breitengrade gleichmäßiger verlaufen. Der starke Äquator-Pol-Temperaturkontrast verschwände, was an Klimata der Kreidezeit oder des Eozäns erinnert: keine Eiskappen, höherer Meeresspiegel.
Die Sonne heizt Tropen stärker als Pole auf – die Erde muss Wärme transportieren. Genau das schafft den Jetstream durch Sonneneinstrahlung und Erdrotation. Laborexperimente von Dave Fultz in den 1940er Jahren bestätigen dies: In rotierenden Wasserschalen mit ungleichmäßiger Erwärmung entstand ein Mini-Jetstream durch Konvektion und Impulserhaltung.
Fultz’ Experimente belegen: Solange Sonne scheint und Erde rotiert, bleibt der Jetstream bestehen. Sein Ausfall ist unmöglich, ohne das gesamte Klimasystem zu zerstören. Wir müssen lernen, mit ihm umzugehen.