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„Krieg gegen Drogen“ beschleunigt Entwaldung in Mittelamerika: Neue Studien mit alarmierenden Fakten

Der Drogenhandel und der damit verbundene „Krieg gegen Drogen“ fördern die Entwaldung in Mittelamerika massiv voran. Das belegen zwei aktuelle Berichte der Fundació n Neotrópica und der Denkfabrik der PRISMA-Stiftung.

Militärische Kampagnen gegen Kokainhändler verdrängen diese in abgelegene Wälder, wo ihre Schattenwirtschaften verheerende Umweltschäden anrichten. Die wirtschaftlichen Verluste für geschützte Wälder der Region belaufen sich laut Studie auf mindestens 215 Millionen US-Dollar jährlich.

Die Forscher analysierten Satellitenbilder zur Lokalisierung von Entwaldungen und führten rund 100 Interviews mit Schutzgebietsmanagern, Anwohnern und NGO-Leitern durch. Besonders betroffen sind tropische Wälder in Guatemala und Honduras, aber auch in Nicaragua, Panama und Costa Rica.

Das Problem verschärft sich durch den Fokus der US-Regierung auf militärische statt humanitäre Hilfe, erklärt Jennifer Devine, Assistenzprofessorin für Geographie an der Texas State University und Co-Autorin beider Studien. „Militärische Strategien treiben Drogenhändler in isolierte Schutzgebiete, oft Wälder“, betont sie.

Schmuggler roden Wälder für improvisierte Landebahnen, auf denen Flugzeuge aus den Anden mit Kokain eintreffen. Zudem waschen sie Drogengelder durch illegale Viehzucht und Palmölproduktion auf geschütztem Land.

Die Studien unterstreichen die hohen Kosten der drogenbedingten Abholzung, so Andrew Davis, Direktor des Forest and Territorial Governance Program der PRISMA Foundation. „Sie beleuchten, wie Drogenhandel und Verbotspolitik den Klimawandel befeuern – ein zu wenig beachtetes Faktum.“

Empfehlung der Experten: Schutzgebiete sollten von lokalen Gemeinschaften verwaltet werden, die effizienter abschneiden als staatliche, „menschenleere“ Nationalparks, ergänzt Devine.

„Die Lösung erfordert eine Neubewertung des Kriegs gegen Drogen“, fordert sie. „Viele unterschätzen, wie er die Umweltkrise in Mittelamerika antreibt.“

Eine Studie von 2017 schätzt, dass der Kokainhandel 30 bis 60 Prozent der Entwaldung in regionalen Schutzgebieten im letzten Jahrzehnt verursacht hat.