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Neandertaler-Rituale enthüllt: Shanidar Z-Skelett beleuchtet die berühmte Blumenbestattung

  • Das Shanidar Z-Skelett ist über 70.000 Jahre alt und weist die Zähne eines Erwachsenen mittleren bis höheren Alters auf.
  • Pollenfunde deuten auf Blumen in Neandertaler-Gräbern hin – ein Hinweis auf rituelle Bestattungen.
  • Die Grabstätte unterstreicht die hohe kulturelle Komplexität der Neandertaler.

Ein vor über 70.000 Jahren verstorbener Neandertaler, dessen Überreste in den irakischen Ausläufern der Shanidar-Höhle geborgen wurden, entfacht erneut die Debatte über die kulturelle Raffinesse unserer Vorfahren. Waren Neandertaler fähig zu Todesritualen?

Die Funde umfassen einen zerdrückten, aber weitgehend vollständigen Schädel, den oberen Rumpf sowie beide Hände. Sie stammen aus der Shanidar-Höhle, etwa 800 Kilometer nördlich von Bagdad. Vorläufige Analysen datieren Shanidar Z auf mehr als 70.000 Jahre; die Zahnmerkmale sprechen für einen Erwachsenen mittleren bis höheren Alters. Das Geschlecht ist noch unklar.

Neandertaler-Rituale enthüllt: Shanidar Z-Skelett beleuchtet die berühmte Blumenbestattung

Diese Höhle barg bereits Überreste von zehn weiteren Neandertalern, die vor rund 60 Jahren ausgegraben wurden. Eines der Skelette war von Pollenklumpen umgeben – ein Fund, den Pionierforscher wie Ralph Solecki als Beleg für Blumenbestattungen interpretierten. Dies widerlegt das alte Klischee primitiver, "tierischer" Neandertaler und machte Shanidar zur "Blumenbegräbnisstätte".

Chris Hunt, Professor für kulturelle Paläoökologie an der Liverpool John Moores University, nennt Shanidar Z "einen wirklich spektakulären Fund". Er erklärt: "Die oberen Überreste sind erstaunlich vollständig, trotz der Abflachung des Schädels durch tonnenschwere Höhlenablagerungen. Der Körper lag halb sitzend in einer Vertiefung am Höhlenboden, gestützt von einem großen Stein hinter dem Kopf."

Neandertaler-Rituale enthüllt: Shanidar Z-Skelett beleuchtet die berühmte Blumenbestattung

Vier der zehn Neandertaler lagen eng beieinander – eine "einzigartige Ansammlung", wie die Forscher betonen. Kehrten sie wiederholt hierher zurück, um ihre Toten zu bestatten? Prof. Hunt mahnt Zurückhaltung: "Vier Leichen auf einer Fläche wie ein Esstisch – bei modernen Menschen würde man von einem Friedhof sprechen. Für Neandertaler ist das noch einen Schritt zu weit."

Graeme Barker, Professor am McDonald Institute for Archaeological Research der University of Cambridge, ergänzt: "Die neue Grabung zeigt, dass einige Körper in einem wassererodierten Kanal im Höhlenboden lagen, der offenbar absichtlich vertieft wurde. Es gibt starke Hinweise auf eine intentionale Bestattung von Shanidar Z."

Neandertaler-Rituale enthüllt: Shanidar Z-Skelett beleuchtet die berühmte Blumenbestattung

Das Team untersucht nun Sedimente, Pollen und Holzkohle umfassend, um Einblicke in das Neandertaler-Leben zu gewinnen. Dr. Emma Pomeroy, Archäologin am University of Cambridge und Lead-Autorin der Studie in Antiquity, fasst zusammen: "Neandertaler erweisen sich zunehmend als raffiniert – von Höhlenkunst über Muschel-Schmuck bis Greifvogelklauen. Nutzten sie Shanidar als rituellen Ort für wiederholte Bestattungen, zeugt das von hoher kultureller Komplexität."