Die Ölkatastrophe von Deepwater Horizon war vermutlich noch ausgedehnter als bisher bekannt. Eine neue Studie der University of Miami deutet darauf hin, dass giftiges, für Satelliten unsichtbares Öl weit über die dokumentierte Oberflächenfläche hinaus vordrang.
Unter Leitung von Experten der Rosenstiel School of Marine and Atmospheric Science kombinierten Forscher präzise Öltransport-Modelle mit Fernerkundungsdaten und Wasserproben, um das volle Ausmaß der Verschmutzung zu erfassen.
Sie entdeckten, dass ein signifikanter Anteil des Öls zwar für Satelliten unsichtbar blieb, aber dennoch hochgiftig für Meeresorganismen war.
Hauptautor Igal Berenshtein erklärt: „Wir haben einen erheblichen Teil des Öls identifiziert, der für Satelliten und Luftbilder unsichtbar ist. Die Verschmutzung war nur oberhalb einer bestimmten Ölkonzentration an der Oberfläche erkennbar – ein Großteil blieb zuvor unerklärt.“
Die Ergebnisse haben weitreichende Implikationen für die Bewertung zukünftiger Ölunfälle und deren Auswirkungen auf die Umweltgesundheit.
Am 20. April 2010 explodierte die Bohrinsel Deepwater Horizon und entließ 87 Tage lang rund 795 Millionen Liter Rohöl in den Golf von Mexiko – die größte Ölpest in der US-Geschichte. Ölteppiche bedeckten etwa 149.000 Quadratkilometer.
In Science Advances veröffentlicht, zeigt die Studie ein deutlich größeres Ausmaß: Das Öl erreichte den West-Florida-Schelf, die Küste von Texas, die Florida Keys und floss entlang des Golfstroms zum Ost-Florida-Schelf.
Claire Paris, Professorin für Meereswissenschaften an der UM Rosenstiel School und leitende Autorin, betont: „Unsere Ergebnisse revolutionieren das Verständnis von Ölpest-Folgen. Giftiges, unsichtbares Öl kann subtropische Konzentrationen erreichen, die tödlich für Wildtiere im Golf von Mexiko sind – weit über den Satellitenabdruck hinaus.“
„Diese Studie erweitert die bisherige Oberflächenbetrachtung um eine dritte Dimension. Dank fortschrittlicher Modelle, entwickelt mit Chemieingenieuren und leistungsstarken Computern, wird dies nun präzise visualisiert.“
Die Forscher betonen, dass ihr neuer Ansatz Entscheidungsträgern und Notfallmanagern hilft, künftige Ölverschmutzungen effektiver zu bewältigen.