- Eine 30-jährige Studie mit 300.000 Bäumen belegt: Tropische Bäume verlieren zunehmend ihre Fähigkeit, CO₂ aus der Atmosphäre aufzunehmen.
- Der Anteil der anthropogenen CO₂-Emissionen, die von tropischen Bäumen entfernt werden, sank von 17 % in den 1990er-Jahren auf nur 6 % in den 2010er-Jahren.
- Modelle prognostizieren: Unvermindert verlieren Wälder ihren Status als Kohlenstoffsenke und werden Mitte der 2030er zu einer Quelle.
Als Experten der University of Leeds haben wir 300.000 Bäume in intakten Tropenwäldern über 30 Jahre beobachtet und festgestellt: Die Wälder verlieren schrittweise ihre Kapazität, CO₂ aus der Atmosphäre zu binden. Dies deutet auf einen dramatischen Wandel hin – von einer Senke zu einer potenziellen Quelle innerhalb der nächsten zwei Jahrzehnte.
Tropische Wälder sind entscheidend für den globalen Kohlenstoffkreislauf. Sie bremsen den Klimawandel, indem sie CO₂ speichern. Unsere Analyse von Wachstum und Absterben in 565 ungestörten Wäldern in Afrika und dem Amazonas zeigt jedoch einen Peak in den 1990er-Jahren: Damals wurden rund 46 Milliarden Tonnen CO₂ gebunden. In den 2010er-Jahren fiel dies auf 25 Milliarden Tonnen – vergleichbar mit einem Jahrzehnt fossiler Emissionen aus Großbritannien, China, den USA und der EU zusammen.
Insgesamt kompensierten intakte Tropenwälder in den 1990er-Jahren 17 % der menschlichen Emissionen, in den 2010er-Jahren nur noch 6 %. Hauptgrund: Erhöhtes Absterben durch Hitze und Dürrten.
„Mehr CO₂ treibt Wachstum an, doch höhere Temperaturen und Dürrten wirken dem entgegen und fördern Sterberaten“, erklärt Hauptautor Dr. Wannes Hubau. „Unsere Modelle zeigen einen anhaltenden Rückgang: Die afrikanische Senke schwindet langfristig, der Amazonas wird bis Mitte der 2030er zur Quelle.“

Um dies zu ermitteln, maßen wir Durchmesser und Höhe Tausender Bäume in 565 Parzellen und verfolgten Änderungen im Kohlenstoffvorrat. Mit statistischen Modellen prognostizierten wir bis 2040.

„Intakte Tropenwälder sind weiterhin essenziell, doch ohne Klimastabilisierung tippen sie bald um. Der Übergang von Bremse zu Beschleuniger des Wandels wäre katastrophal“, warnt leitender Autor Prof. Simon Lewis. „Aus jahrelanger Feldarbeit im Kongo und Amazonas: Der Klimawandel wirkt bereits – schneller als pessimistische Modelle es erwarteten. Sofortiges Handeln ist geboten.“