Das Klima unseres Planeten verändert sich rasant. Um den Schaden zu begrenzen und die Erwärmung unter 2 Grad Celsius zu halten, sind umfassende Reformen in Gesellschaft, Recht, Wirtschaft und Politik unerlässlich. In A Better Planet: Forty Big Ideas for a Sustainable Future skizzieren führende Experten ambitionierte Strategien für diese Transformation.
In diesem Auszug erläutert der Nobelpreisträger für Wirtschaftswissenschaften William Nordhaus, wie eine CO2-Steuer gepaart mit einem „Klimaclub“ Nationen zu effektiven Klimaschutzmaßnahmen bewegen könnte. Aus wirtschaftlicher Perspektive beschreibt Nordhaus den Klimawandel als „globale Externalität“ – ein Problem, das alle betrifft, auf das Individuen jedoch wenig direkten Einfluss nehmen können.
Jede Wissenschaftsdisziplin beleuchtet den Klimawandel aus eigener Sicht. Die Ökonomie erkennt darin eine massive globale Externalität: Ursachen sind weltweit verteilt, Auswirkungen umspannen den Planeten und reichen bis in die ferne Zukunft.
Im Gegensatz zu vielen anderen globalen Externalitäten bietet der Klimawandel eine einfache Lösung: Verursacher für den Schaden zahlen lassen. Eine wirksame Politik muss den Marktpreis für CO2- und andere Treibhausgasemissionen anheben. Ein Emissionspreis korrigiert die Marktstörung durch diese Externalität.
Preise lassen sich durch eine Obergrenze für Emissionen mit Handelsrecht („Cap and Trade“) oder eine direkte CO2-Steuer steigern. Beide Mechanismen schaffen starke Anreize für verändertes Verhalten.
Die Wirtschaftsgeschichte lehrt uns die immense Kraft von Anreizen. Um den Klimawandel zu bremsen, brauchen Milliarden Menschen und Millionen Unternehmen – die jährlich Billionen für fossile Brennstoffe ausgeben – einen starken Impuls, auf kohlenstoffarme Alternativen umzusteigen. Der effektivste Anreiz ist ein hoher Kohlenstoffpreis.
Ein erhöhter CO2-Preis erreicht vier zentrale Ziele: Erstens signalisiert er Verbrauchern, welche Produkte kohlenstoffintensiv sind und sparsam genutzt werden sollten. Zweitens weist er Herstellern kohlenstoffreiche Inputs wie Kohle und Öl aus, während Alternativen wie Erdgas oder Windkraft attraktiver werden – ein Anstoß zur Technologiewechsel. Drittens motiviert er Erfinder, Investoren und Innovatoren, kohlenstoffarme Lösungen zu entwickeln und zu vermarkten. Viertens spart er die umfangreichen Informationen, die für all diese Veränderungen benötigt werden.
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Ein hoher Kohlenstoffpreis allein in einem Land reicht jedoch nicht, um die globale Erwärmung zu stoppen. Selbst ambitionierte Pläne wie ein Green New Deal erreichen die Ziele von 1,5 oder 2 Grad Celsius nicht, solange andere Nationen freikommen.
Um CO2-Bepreisung international durchzusetzen, schlägt Nordhaus einen „Klimaclub“ vor. Statt freiwilliger Abkommen wie Kyoto oder Paris nutzen Länder ein Klubmodell, das Trittbrettfahrerei unterbindet.
Im Kern vereinbaren Mitgliedstaaten harmonisierte Emissionsminderungen – mit Strafen für Regelverstöße als neuem Element.
Der Club fokussiert auf einen „internationalen CO2-Zielpreis“, z. B. mindestens 50 US-Dollar pro Tonne CO2. Länder setzen inländische Politiken um, die diesen Preis erreichen.
Im Gegensatz zu Paris oder Kyoto, die auf Emissionsmengen basieren, zielt der Club auf Preise ab. Dies minimiert Kosten und vereinfacht Entscheidungen, wie Ökonom Martin Weitzman betont.
Die Welt ist noch weit von einem Klimaclub entfernt. Debatten drehen sich weiter um fragwürdige Freiwilligkeit.
Hindernisse sind Unwissenheit, Einfluss umweltfeindlicher Lobbys, Nationalismus und Kurzsichtigkeit. Der Weg vorwärts: CO2-Preise kombiniert mit Klimaclubs.