Das Zu-Hause-Bleiben während des Lockdowns hat zu einer deutlichen Reduktion des seismischen Lärms in Großbritannien geführt. Geowissenschaftler vom British Geological Survey (BGS) und führenden Universitäten berichten von sinkenden Bodenvibrationen, die durch Verkehr, Industrie und Alltagsaktivitäten entstehen.
Seismometer-Daten aus dem gesamten Land zeigen: Der anthropogene Umgebungslärm ist in den letzten fünf Wochen um 20 bis 50 Prozent zurückgegangen. Diese Instrumente, die primär Erdbeben und Vulkane erfassen, messen auch Vibrationen in der Erdkruste durch menschliche Einflüsse.
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Dr. Brian Baptie, Leiter der Seismologie beim British Geological Survey in Nottingham, erklärt: „Wir betreiben ein Netzwerk von rund 100 Sensoren im Vereinigten Königreich. Seit dem Lockdown ist der Geräuschpegel an fast allen Stationen um 20 bis 50 Prozent gesunken.“
In stark frequentierten Bereichen wie Flughäfen, Bahnhöfen, Hauptstraßen, Baustellen, Schulen und Universitäten war der Rückgang besonders ausgeprägt.

Dr. Paula Koelemeijer, globale Seismologin an der Royal Holloway, University of London, misst am Seismometer nahe dem Londoner Bahnhof King’s Cross einen Rückgang um 30 Prozent, in ihrem Twickenham-Haus um 25 Prozent. „Das zeigt: Mehr Menschen bleiben zu Hause, weniger Autoverkehr und Züge“, sagt sie.
Dr. David Cornwell, Geophysiker an der University of Aberdeen, beobachtet auf dem Campus einen 65-prozentigen Einbruch im Vergleich zu normalen Tagen – nun erfassen Geräte sogar natürliche Signale von Wind und Wellen.
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Dieser Trend ist global: Bei über zwei Milliarden Menschen im Lockdown sanken Lärmpegel in Städten um 20 bis 50 Prozent, in Nepal sogar um 80 Prozent. Der geringere menschliche Lärm ermöglicht es, kleinere Erdbeben weltweit besser zu detektieren – etwa aus Japan bis Großbritannien.

Reuben Peckham von 24 Acoustics, Spezialist für lärmempfindliche Bauten, hört auf Baustellen in Surrey nun Vogelgesang, der sonst von Verkehr und Maschinen überlagert wird: „Seit dem Lockdown ist er definitiv häufiger wahrnehmbar.“